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Foto: REUTERS/ Kevin Lamarque

 

Während Russland im Kampf gegen die Dschihadisten die syrischen Regierungstruppen unterstützt, bekommen deren Gegner US-Waffen. Vor diesem Hintergrund befürchtet ein russischer Experte einen „Proxy-Krieg“ der Großmächte.

Quelle: SputnikNews

 

Der russische Politik-Experte Georgi Bowt schreibt in einem am Montag veröffentlichten Kommentar für die Onlinezeitung gazeta.ru: „Die vagen Hoffnungen darauf, dass sich die Beziehungen zwischen Russland und den USA nach Putins Treffen mit Obama in New York verbessern oder zumindest nicht weiter verschlechtern werden, sind gescheitert … Eine Reinkarnation jener Freundschaft aus der Nach-9/11-Zeit blieb aus. Syrien lieferte nur neue Anlässe für gegenseitiges Misstrauen, für gegenseitige Irritierung und Konfrontation.“

 

„Russland und die USA stehen derzeit eigentlich vor einem ‚Proxy-Krieg‘. Das Pentagon hat mit massiven Waffenlieferungen an Assad-Gegner auf dem Luftweg begonnen – einschließlich tragbarer Panzerabwehrraketen … Es steht aber nicht fest, dass diese Waffen nicht in den Besitz des ‚Islamischen Staates‘ und weiterer ‚nicht gemäßigter‘ Terroristen gelangen“, so Bowt.

 

Er schreibt weiter: „Die USA scheinen auf eine entscheidende Wendung zugunsten der bunten Koalition der Anti-Assad-Kräfte zu setzen, um diese Kräfte dann für ‚moderat‘ zu erklären. Gespräche mit Moskau lassen sich in dieses Muster nicht einbetten. Und falls die syrischen Regierungstruppen mit Unterstützung der russischen Luftwaffe versuchen, eine Offensive zu starten, möchte Washington diese Offensive vereiteln“.

 

„In Syrien werden aber immer neue Allianzen zwischen verschiedenen Gruppen einschließlich des IS geschmiedet, Kämpfer samt Waffen wechseln ständig von einer Gruppe zu einer anderen. Vor diesem Hintergrund nimmt das Risiko zu, dass Terroristen doch US-Waffen bekommen – hoffentlich wenigstens keine Boden-Luft-Lenkwaffen. Auf islamistischen Webseiten tauchen ja mittelweile Videos auf, wie US-Panzerabwehrraketen Assads Panzer in den Provinzen Hama und Idlib zerstören. Dies erinnert allmählich an die Lieferungen von Stinger-Raketen an die afghanischen Mudschaheddin“, heißt es im Kommentar „Moskaus Vorgehen im Kampf gegen islamistische Gruppen in Syrien (nicht nur gegen den IS, sondern auch gegen die Al-Nusra-Front, Ahrar al-Scham und weitere) wurde in Washington als unzulässige Selbständigkeit und … als Herausforderung für die ganze US-Politik in der Region wahrgenommen“, stellt Bowt fest.

 

Anstatt einer Koordination gegen den „Islamischen Staat“ drohe nun also eine weitere Verschlechterung der Beziehungen zwischen Washington und Moskau bis hin zu möglichen neuen Sanktionen gegen Russland – diesmal wegen Syrien, prognostiziert der Experte.
Eine umfassende Verschlechterung des russisch-amerikanischen Verhältnisses sei aber eher nach dem Abgang von Obamas Regierung zu erwarten: „Diese war bis vor kurzem eher dazu geneigt, Russland zu ignorieren, als eine Multi-Vektor-Eindämmungspolitik zu betreiben. Sie wird sich wohl auf einzelne ‚Strafmaßnahmen‘ wie neue Sanktionen beschränken. Die nächste US-Regierung könnte sich dagegen für eine systemische und institutionelle Gestaltung des ‚Kalten Krieges Nr. 2‘ entscheiden – mit technologischem und wirtschaftlichem Druck als zentrale Maßnahmen.“

 

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