Stephan Sulke «Der Mann aus Russland»:

 

Im Grunde klingt die Story schrecklich simpel,

an einer öden Cocktail-Party war’s.

Ich schlürfte ohne Lust an meinem Dimpel,

und er war schon beim zwölften Wodkaglas.

Ich fragte plötzlich: «Sag’n Sie mal,

wie sagt man Prost auf Russisch?»

Und er schaute ganz verdutzt mir ins Gesicht:

«Za sdarowje», lachte er,

«sa waschä sdarowje i blagapalutschje»

und fragte: «Wußten Sie das wirklich nicht?»

Und der Mann aus Russland konnte lachen,

fröhlich sein und Witze machen,

hob dieweil sein Glas und trank mir zu.

Der Mann aus Russland konnte lachen,

fröhlich sein und Witze machen,

war ein Mensch genau wie ich und du.

Wir sprachen dann von unsern beiden Welten,

ich fand, bei ihm sei manches schief und krumm.

Doch er ließ keiner meiner Sätze gelten

und drehte mir den Spieß ganz einfach um.

Und dann erzählte er von seinem Lande, von den Menschen,

die dort lebten und von einer schönen Frau.

Von den Städten schwärmte er, von Kiew und Minsk,

vom schwarzen Meer, und dass er Heimweh hatte, weiß ich ganz genau.

Und der Mann aus Russland konnte weinen,

einsam sein und glücklich scheinen,

hob dieweil sein Glas und trank mir zu.

Der Mann aus Russland konnte weinen,

traurig sein und glücklich scheinen,

war ein Mensch genau wie ich und du.

So gegen fünf Uhr morgens trennten wir uns

dann und etwas melancholisch meinte er, er müsse fort.

«Na sdarowje»: hör ich noch «Na dwojo sdarowje i nasu druschbu»

und frage mich ist Freundschaft bloß ein Wort.

Und der Mann aus Russland konnte weinen,

traurig sein und glücklich scheinen,

hob dieweil sein Glas und trank mir zu.

Der Mann aus Russland konnte lachen,

fröhlich sein und Witze machen,

war ein Mensch genau wie ich und du.

Und der Mann aus Russland konnte weinen,

traurig sein und glücklich scheinen,

hob dieweil sein Glas und trank mir zu.

Der Mann aus Russland konnte lachen,

fröhlich sein und Witze machen,

war ein Mensch genau wie ich und du.