Der Stadthalter von Crna Gora

   Дата публикации: 25 октября 2015, 23:08

 

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Während ich diese Zeilen schreibe, bekomme ich über soziale Netzwerke ständig neue Aufnahmen der Polizeigewalt bei den Protesten am 24.10.15 in der montenegrischen Hauptstadt Podgorica. Ich kann nur feststellen, dass das Ende der dramatischen politischen Situation in Montenegro definitiv nicht absehbar ist. Auf jeden Fall hat keiner mehr die Zweifel, dass die Macht des amtierenden MP Milo Djukanovic ernsthaft angebrochen sei, dass das Regime an Legitimität verloren hat. Ebenso kann keiner mehr die Erfolge der Opposition verleugnen, genauer gesagt, den Erfolg des Volkes welches die Angst gegenüber dem Regime verloren hat, hierbei von der Opposition ermutigt.

 

Auf jeden Fall hat sich Montenegro in den letzten drei Wochen dermaßen geändert, dass eine Rückkehr in das alte Denken nicht mehr möglich ist.

 

Wie zynisch hörten sich doch die Meldungen an, die über die Regimemedien und Regimepropagandisten übertragen worden sind –„ in Montenegro besteht ein ernsthaftes Gewaltpotential“! Nach den Bildern die man über die Sozialmedien hat beobachten können, müsse man doch damit die Gewalt der Polizei und der Spezialeinheiten gemeint haben, die zuerst die Menschenmenge mit Einsatz von Schockbomben und Tränengas in vier Himmelrichtungen zerstreut haben, damit sie dann gezielte Jagd auf einzelne machen und diese in einem Verhältnis von 1:20 brutal zusammen schlagen. Mehrere Oppositionelle sind verhaftet worden.

 

 

Worum ging es bei diesen Protesten?

 
Das Djukanovic-Regime, welches im Prinzip als amerikanische Stadthalter zu verstehen ist, hat ein kriminelles Netzwerk aufgebaut, welches sich aus dem Milo Djukanovic selbst, seinem Bruder, seinem (Trauzeugen) Paten und anderen offiziellen Geschäftsleuten zusammensetzt. Dieses Netzwerk hat mehrere Milliarden € über Privatisierungsmaßnahmen der ehemaligen staatlichen Betriebe veruntreut und das Geld über off-shore Unternehmen ins Ausland gebracht. Investoren die in Montenegro tätig sein wollen, müssen diesem Netzwerk indirekt Schutzgeld zahlen. Kritische Stimmen werden u.U. liquidiert.

 

Wie dieses Regime aufgestellt ist, konnte man vor ein paar Jahren sehen, als es zu Protesten nach dem Maidan-Prinzip kam. Der Stadthalter hatte sich so weit gebracht, dass er finanzielle Mittel, die russische Investoren ins Land brachten, zum großen Teil unterschlug und daraufhin es seitens russischer Seite eine Klage gab. Das war der amerikanischen Administration doch zu viel und man ließ einige kleinere Proteste zu, mit der berühmten Canvas-Faust, die man in den ganzen Farbrevolutionen sehen konnte. Ein Warnschuss, quasi.

 

Auf jeden Fall ist Milo Djukanovic nicht dumm, wenn er schon sehr eitel ist. Er weiß ganz genau, dass er irgendwo die Legitimität seit den letzten Wahlen verloren hat. Er weiß auch, dass die Rhetorik der „verräterischen Opposition“, „Handvoll der Verführten“ oder die „Institution des Systems“ die sowieso das letzte Wort haben sollen, bei dem Volk keine Früchte mehr tragen wird. Aus diesem Grund sind alle Agenturen, alle Lobbiesten und alle „Schläfer“ im montenegrischem öffentlichen, politischen und kriminellen Leben aktiviert worden. Wobei man hier von einer großen Anzahl ausgehen kann. Somit greift er nach der (anti)NATO-Story die gewiss an Bedeutung hat, jedoch nicht das entscheidende Element der Proteste ist, die gegen sein Regime ausgerichtet sind. Auf den ersten Blick ein Paradoxon, es ist sein Regime, welches die (anti)Nato Hysterie in den Protesten forciert, auf diese Art und Weise sich die Unterstützung der westlichen Administrationen sichern zu können, die ihm auch in den letzten Jahren unterstützt haben. Ohne diese Unterstützung würde das Djukanovic-Regime sich kaum 48 Stunden halten können, im besten Fall wäre seine Macht darauf beschränkt seine dubios erwirtschafteten Güter zu schützen, wobei uns die Geschichte lehrt, dass die Prätorianergarde auch die Seiten wechseln kann.

 

Von dieser Seite kommt auch der Mythos des russischen Einflusses auf die Geschehnisse. Diesen Einfluss gibt es natürlich, wie auch den Einfluss anderer planetaren oder regionalen Mächte. Im konkreten Fall, fürchte ich, hat Moskau zu lange gewartet und auf die Desinformation vor Ort geglaubt. Man hat sehr spät erkannt, dass Djokanovic mit dem Nato Betritt ernst meint, spätestens seit der Sanktionen Montenegros gegenüber der Russischen Föderation im Falle der ukrainischen Krise. Daraufhin hat Moskau angefangen politischen Druck auszuüben.

 

 

Der andere Mythos ist der Einfluss der serbischen Nationalisten bei den Protesten

 
Wer das politische Bild in Serbien kennt, der weiß auch, dass von der Opposition fast Nichts mehr übrig geblieben ist. Es ist kaum möglich, dass die machtlosen linken oder rechten Parteien in der Lage seien im Nachbarstaat massive Proteste auf die Beine zu stellen. Das wissen auch die Erfinder solcher Behauptungen. Hauptsache es soll nach Möglichkeit sich sensationell anhören: Protest-Opposition-Serbien-NATO-Russland-Putin-Kostunica !!!
Man erhofft, dass irgendeine westliche Botschaft oder ein Mitglied aus Brüssel alarmiert wird.

 

Im Prinzip macht das Regime z.Z. Nichts anderes als vor zu großem serbischem oder russischem Einfluss ständig zu warnen und damit sich die „Gnade“ der Strukturen der USA bzw. der Nato „kaufen“ zu können.

 

 

DrVukadin

 

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