US/NATO kümmern sich um die psychologische Kriegsführung und den Informationskrieg

   Дата публикации: 04 сентября 2015, 17:06

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Dr. Stephen Badsey, Professor of Conflict studies, Wolverhampton University, U.K.

 

Die US-Regierung und die NATO betreten die Schöne Neue Welt der «strategischen Kommunikation». Sie vermischen psychologische Kriegsführung, Propaganda und Öffentlichkeitsarbeit, um die Wahrnehmung von Amerikanern und der Weltöffentlichkeit zu formen.

 

Von Don North, Quelle: Consortiumnews

Übersetzung: FritztheCat (Propagandamelder)

Veröffentlicht: Fit4russland

 

Die US-Regierung sieht in der Kontrolle und Manipulation von Information eine «soft power»-Waffe. Das zeigte sich jüngst auf einer NATO-Konferenz in Lettland und im neuesten «Kriegsrecht» («Law of War») des Pentagon. Dabei werden psychologische Kriegsführung, Propaganda und Öffentlichkeitsarbeit in eine griffige Phrase vermengt: «strategische Kommunikation».

 

Die psychologische Kriegsführung – manipulative Techniken, um den Geisteszustand einer Zielbevölkerung zu beeinflussen und insgeheim die Wahrnehmung der Menschen zu formen – ist jetzt ein normaler Teil der Informationspolitik der USA und der NATO.

 

«Im Fall der Nato ist das Argument, dass die Herangehensweise der NATO bezüglich psy-ops (psychologischer Kriegsführung) als ein im Prinzip offenes, wahrheitsgemässes und gutartiges Instrument zu sehen ist. Zusammen mit der Beseitigung grösserer Unterschiede zwischen einheimischen und ausländischen Medienkonzernen und in sozialen Medien bedeutet das de facto die Fusion von psy-ops und Öffentlichkeitsarbeit,» sagt der britische Militärhistoriker Dr. Stephen Badsey, einer der führenden Köpfe zum Thema Krieg und Medien.

 

Badsey sagt, die NATO habe weitgehend die Ansicht abgelegt, dass zwischen psy-ops und Öffentlichkeitsarbeit zu unterscheiden sei. Obwohl die NATO die Verbreitung «schwarzer Propaganda», also falschen oder gefälschten Informationen zur Anschwärzung des Gegners, ausschliesst.

 

«Die ewige Streiterei darüber, ob es eine Brandmauer zwischen psy-ops einerseits und Informationsverbreitung und Öffentlichkeitsarbeit andererseits geben sollte, ist damit weitgehend beendet. Und meiner Ansicht nach hat die falsche Seite gewonnen,» fügte Badsey hinzu.

 

Als Teil dieser Schönen Neuen Welt der «strategischen Kommunikation» gehen das US-Militär und die NATO jetzt gegen Nachrichtenorganisationen vor, die einen Journalismus bieten, der ihrer Ansicht nach die Wahrnehmung dessen schädigt, was die US-Regierung der Welt vermitteln will.

 

Diese Haltung führte zum neuen «Kriegsrecht» des Pentagon, welches in Kriegszeiten die Einstufung von Journalisten als «Spionen» oder «nicht privilegierten Kriegsteilnehmern» zulässt. Das könnte dazu führen, dass Reporter mit unbegrenzter Haft, Kriegsgerichten oder außergerichtlicher Hinrichtung zu rechnen haben – die gleiche Behandlung wie für Terroristen von AlQaeda, ebenso als «nicht privilegierte Kriegsteilnehmer» eingestuft. (siehe: Consortiumnews)

 

Dieses neu formulierte Handbuch des Pentagon zum «Kriegsrecht» ist auf scharfe Kritik von Vertretern sowohl der Systempresse als auch unabhängiger Medien gestossen. Dazu gehören neben den Chefredakteuren der New York Times und dem «Committee to Protect Journalists» auch Akademiker wie Dr. Badsey.

 

«Die Haltung gegenüber den Medien, wie sie in diesem Pentagon-Handbuch zum Ausdruck kommt, ist eine Verletzung des internationalen Kriegsrechts, welches die USA unterzeichnet haben, es reicht zurück bis zur Haager Landkriegsordnung von 1907 und schliesst die Genfer Konventionen mit ein.» Das sagte Badsey, Professor für Konfliktstudien an der Universität Wolverhampton, U.K., den ich seit langem kenne und der oft die militärischen Informationstaktiken der USA kritisiert.

 

«Aber dieses Handbuch gibt nur die Haltung wieder, die wir schon vor einem Jahrzehnt im Irak sahen, als das Pentagon entschied, dass bestimmte Medien, allen voran Al Jazeera, Feinde seien, die es zu zerstören gelte. Feinde – und keine rechtmäßige Nachrichtenquelle.»

 

 

Die Vietnam-Debatte

 

Die Feindseligkeit des Pentagons gegen Journalisten, die mit ihren Berichten die Propaganda der US-Regierung beschädigen, reicht weit zurück. Während des Vietnamkriegs in den 60ern und 70ern wurde dieser Konflikt zunehmend schärfer. Die Kriegsbefürworter beschuldigten amerikanische Journalisten, welche sich kritisch über die Strategien und Taktiken des US-Militärs äusserten, ihr Verhalten sei Verrat. Dazu zählt auch die Aufdeckung von solchen Verbrechen wie dem Massaker von My Lai.

 

Die Konservativen in der Reagan-Regierung – mit der festen Überzeugung, dass diese «liberalen» Reporter Mitschuld trugen an der Niederlage der USA in Vietnam – gingen in den 80ern aggressiv mit Schmutzkampagnen gegen Journalisten vor, die über die Menschenrechtsverstöße der von den USA unterstützten Kräfte in Mittelamerika berichteten. Zu dieser feindseligen Haltung gehörte auch, dass die Berichterstattung über Präsident Ronald Reagans Einmarsch nach Grenada 1983 gesperrt wurde. Im Golfkrieg 1990-91 hat Präsident George H.W. Bush Kriegsberichterstatter scharf kontrolliert. (Anm.d.Ü.: Stichwort ’embedded journalists’) Entweder durch Fernhalten der Reporter – oder durch strengste Überwachung – konnte das US-Militär ungehinderter operieren und über Missbräuche wurde weitgehend nicht berichtet.

 

Diese sogenannte «Verwandlung von Information in eine Waffe» wurde unter der Präsidentschaft von Bill Clinton noch tödlicher. Während des Kosovokrieges identifizierte die NATO das serbische Fernsehen als ein feindliches «Propagandazentrum» und schickte Bomber nach Serbien, um die Studios in Belgrad zu zerstören. Im April 1999 feuerten amerikanische Bomber unter dem Kommando von US General Wesley Clark zwei Cruise Missiles ab, die Radio Televizija Srbija in einen Trümmerhaufen verwandelten. Und sie töteten 16 zivile serbische Journalisten die für den Regierungssender arbeiteten.

 

Trotz dieses bewussten Abschlachtens unbewaffneter Journalisten waren die Reaktionen der meisten US-Nachrichtenmedien verhalten. Ein unabhängiges elektronisches Netzwerk in Jugoslawien hat den Anschlag jedoch verurteilt.

 

«Die Geschichte hat uns gelehrt, dass keine Form der Unterdrückung, besonders der organisierte und vorsätzlich geplante Mord an Journalisten, die Verbreitung von Information aufhalten kann. Und man kann auch nicht verhindern, dass die Öffentlichkeit ihre eigenen Informationsquellen auswählt,» sagte das Netzwerk.

 

Robert Fisk vom Londoner «Independent» bemerkte zu der Zeit: «Wenn man Menschen tötet, weil man nicht mag was sie sagen, dann verändert man die Kriegsregeln.» Nun, das Pentagon tut genau das: das buchstäbliche Umschreiben des Handbuch des «Kriegsrechts», welches jetzt der Behandlung «feindlicher» Journalisten als «nicht privilegierte Kriegsteilnehmer» keine Schranken mehr setzt.

 

Trotz der Bombardierung eines Senders, um diesen zum Schweigen zu bringen, gibt es nicht eine Anklage wegen Kriegsverbrechen gegen einen der US- oder NATO-Verantwortlichen. Und der pensionierte General Clark ist immer noch häufiger Gast bei CNN und anderen amerikanischen Nachrichtensendern.

 

 

AL Jazeera im Fadenkreuz

 

Während der Präsidentschaft von George W. Bush wurde der arabische Nachrichtensender Al Jazeera zum «Feind-Medium» erkoren, den man besser zerstört und nicht als legitimes Nachrichtenorgan respektiert – und die Büros des Nachrichtensenders wurden von amerikanischen Bomben getroffen.

 

Am 13. November 2001, während der amerikanischen Afghanistan-Invasion, traf eine amerikanische Rakete das Al Jazeera-Büro in Kabul. Das Gebäude wurde zerstört und die Wohnungen von einigen Mitarbeitern wurden beschädigt.

 

Am 8. April 2003, während der amerikanischen Irak-Invasion, traf eine US-Rakete den Stromgenerator des Büros von Al Jazeera in Baghdad, der einen Brand auslöste, bei dem der Reporter Tareq Ayyoub getötet und ein Kollege verletzt wurde. Die Bush-Regierung beharrte darauf, dass die Anschläge auf Büros von Al Jazeera «Unfälle» gewesen seien.

 

2004, als die US-Besatzung im Irak auf zunehmenden Widerstand stiess und US-Kräfte eine Grossangriff auf die Stadt Falludschah starteten, zeigte Al Jazeera ein Video von dem Angriff mit sehr anschaulichen Bildern von der Zerstörung – am 15. April 2004 verunglimpfte Verteidigungsminister Donald Rumsfeld die Berichterstattung von Al Jazeera als «bösartig, unsauber und unentschuldbar».

 

Einem britischen Bericht zufolge deuten Aufzeichnungen eines am nächsten Tag stattgefundenen Treffens zwischen Bush und Blair an, dass Bush vorschlug, das Hauptquartier von Al Jazeera in Qatar zu bombardieren. Tony Blair hätte ihm aber die Idee ausgeredet mit der Begründung, dass die weltweit negativen Reaktionen darauf schädlich sein würden.

 

Während des Irakkrieges schrieb Dr. Badsey folgende Beobachtung, welche ich in meinem Buch «Inappropriate Conduct» (unangemessenes Verhalten) über die Beziehung zwischen Militär und Medien zitiere: «Es wird behauptet, dass das US Marine Corps 2004 bei der ersten Schlacht um Falludschah nicht von Terroristen und Aufständischen, sondern vom Fernsehsender Al Jazeera geschlagen wurde. Im Grunde haben sie (die US-Kräfte) die falschen Taktiken in dem politischen Umfeld ihrer Mission angewendet. Erstere Behauptung ist nur eine weitere Variante der längst widerlegten Behauptung, der Vietnamkrieg sei in den Fernsehwohnzimmern Amerikas verloren worden.»

 

Unter Konservativen ist die Einstellung weit verbreitet, dass Journalisten der Vietnam-Zeit mehr als Fünfte Kolonne denn als Vierte Macht im Staat handelten. Die Wahrheit sah aber immer anders aus: zu Beginn war die Berichterstattung über den Vietnamkrieg wohlgesinnt, sogar lobend. Aber je länger sich der Krieg hinzog, umso skeptischer wurden die Journalisten.

 

In einem kürzlichen Radiointerview (National Public Radio) war der Chefredakteur des neuen Handbuchs für «Kriegsrecht», Charles Adams nicht in der Lage, Beispiele dafür zu liefern, wann in den letzten fünf Jahren Journalisten einen Einsatz gefährdet hätten. Grund dafür könnte sein, dass es nur sehr wenige Beispiele für journalistisches Fehlverhalten gab und es in den wenigen Fällen entweder um verwirrende Regeln oder Widerstand gegen als unbegründet betrachtete Nachrichtensperren ging.

 

William Hammond, Autor einer zweibändigen Geschichte über die Beziehungen der US-Armee mit den Medien in Vietnam, untersuchte die Vergangenheit über Reporter, denen während des Vietnamkrieges die Akkreditierung entzogen wurde. Mit Militärdokumenten konnte er nur acht Fälle von Akkreditierungsentzug finden.

 

Der schlimmste Fall war wohl der von John Carroll von der «Baltimore Sun». Selbst ein Veteran der Armee, glaubte er fest daran dass es wichtig sei, das amerikanische Volk so gut es geht über den umstrittenen Krieg zu informieren. Er bekam Schwierigkeiten als er darüber berichtete, dass US-Marines dabei waren, ihren Stützpunkt in Khe Sahn aufzugeben. Er wurde beschuldigt, eine Nachrichtensperre verletzt zu haben und man entzog ihm seine Dokumente. Er argumentierte aber, dass die Nordvietnamesen, welche die Basis umzingelt hatten, sehr wohl über die Truppenbewegungen Bescheid wussten.

 

Gegen Ende des Krieges hielten einige Reporter die südvietnamesische Regierung für so von Kommunisten unterwandert, dass es eh keine Geheimnisse mehr gab. Der oberste Berater von Premierminister Nguyen van Thieu war ein Spion und alle wussten es – außer den Amerikanern.

 

Während seiner langen Karriere, unter anderem als Chefredakteur der Los Angeles Times kam Carroll zu der Ansicht, dass Journalisten «fast einen Dienst an der Öffentlichkeit wahrnehmen würden und eine freie Presse für eine selbstbestimmte Nation unabdingbar sei». So steht es in seiner Todesanzeige in der New York Times nach seinem Tod am 14. Juni 2015.

 

 

Strategische Kommunikation

 

Das Konzept der «strategischen Kommunikation» – die Wahrnehmung der Weltöffentlichkeit zu schaffen – hat unter Obama immer grössere Dimensionen angenommen und die Verhinderung des Informationsflusses ist beispiellos. Mehr als jeder seiner Vorgänger geht Präsident Barack Obama mit scharfen rechtlichen Mitteln gegen «Durchstecher» vor, die unangenehme Wahrheiten über die Machenschaften der US-Aussenpolitik und der Geheimdienste veröffentlichten.

 

Und Obamas Aussenministerium hat einen bissigen öffentlichen Feldzug gegen den russischen Sender RT begonnen. Man fühlt sich an Bill Clintons Feindschaft gegen Serb TV und Bush jr. Zorn gegen Al Jazeera erinnert.

 

RT hält sich nicht an die vom US-Aussenministerium bevorzugte Sprachregelung bezüglich der Ukrainekrise und zeigt nicht den nötigen Respekt für das US-gestützte Regime in Kiew. Daher wird der Sender für seine «Propaganda» verketzert. Diese Schuldzuweisung ist jedoch nur Teil des Textbuchs «Informationskrieg». Man säe Zweifel an den Informationen des Gegners und schaffe gleichzeitig ein günstigeres Umfeld für seine eigene Propaganda. (siehe: Consortiumnews)

 

Die wachsende Begeisterung für «strategische Kommunikation» hat einen neuen NATO-Tempel für Informationstechnologie entstehen lassen. Er nennt sich «das NATO Kompetenzzentrum für strategische Kommunikation» oder STRATCOM, errichtet in Lettland, einer früheren Sowjetrepublik und derzeit an vorderster Front in den Spannungen mit Russland.

 

Am 20. August haben sich in Lettlands Hauptstadt Riga einige der führenden Köpfe in der Welt der «strategischen Kommunikation» zu einer zweitägigen Konferenz getroffen. Titel der Veranstaltung: «Perception Matters» (Anm.d.Ü.: in etwa: «Wahrnehmungsfragen» oder «die Wahrnehmung ist wichtig»). Ein Zitat ist allen ihren Veröffentlichungen vorangestellt: «Da Kriege in den Köpfen beginnen ist es im Sinne der Menschheit, dass Schutzmassnahmen für den Frieden ergriffen werden müssen.» – edle Gefühle vielleicht, aber sie zeigen sich nicht immer in den Äußerungen von über 200 Experten für Verteidigung und Kommunikation. Viele von ihnen sehen Information nicht als ein neutrales Gut, welches für die Aufklärung der Öffentlichkeit und die Förderung von Demokratie nötig ist. Viele sehen darin mehr eine «soft power»-Waffe zum Einsatz gegen einen Feind.

 

Der Kriegsfreund John McCain, republikanischer Senator aus Arizona, führte eine Delegation von US-Senatoren an und sagte, dass STRATCOM im Kampf gegen Russland und seinen Präsidenten Wladimir Putin benötigt wird. «Dieses Zentrum wird dabei helfen, die Wahrheit zu verbreiten», sagte McCain – auch wenn «die Wahrheit» in der Welt der «strategischen Kommunikation» eine Frage der Wahrnehmung ist.

 

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