Militärexperte: „Deutschland könnte Putin als neuen Schutzherr anerkennen, statt weiter auf die USA zu setzen“

Дата публикации: 17 июня 2015, 12:14

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Nach Einschätzung des Schweizer Militärexperten Albert Stahel steht Europa in der Konfrontation mit Russland vor einem Problem: Die USA seien nicht mehr stark genug, um uns zu schützen. Er hält deshalb eine Hinwendung Deutschlands zu Putin als Schutzherr für möglich – und spricht gar von einem Kniefall.

 

Quelle: Focus

 

 

Es ist eine neue, beängstigende Drohgebärde: Russlandwill sein Atomwaffenarsenal aufstocken. Mehr als 40 neue Interkontinentalraketen plant Präsident Wladimir Putin bis Ende des Jahres anzuschaffen. „Putin spielt mit Nuklearwaffen“, sagt Militärexperte Albert A. Stahel zu FOCUS Online, „es ist wie zu Chruschtschows Zeiten“.

 

Doch anders als zu Zeiten des Kalten Krieges haben die USA den russischen Muskelspielen nach Ansicht des Schweizer Professors heute weniger entgegenzusetzen: „Die Amerikaner machen sozusagen business as usual, während die Russen richtig aufrüsten  — sowohl bei den Atomwaffen als auch bei den konventionellen Streitkräften“, so der Leiter des Instituts für Strategische Studien in Wädenswil.

 

 

Eine Verbeugung vor Russland?

Zu einer wirkungsvollen Abschreckung Russlands in Europa sind die USA laut Stahel derzeit nicht in der Lage: „Dafür fehlen der amerikanischen Regierung die finanziellen Mittel und der politische Rückhalt in der Bevölkerung.“ Aber was würde es für Europa bedeuten, wenn man sich in der aktuellen Konfrontation mit Putin nicht mehr auf die Schutzmacht USA verlassen kann?

 

Der Schweizer Professor hält es durchaus für möglich, dass dies auf lange Sicht zu etwas führen könnte, was in der aktuellen Situation momentan kaum denkbar scheint: zu einer Hinwendung Deutschlands oder Europas hin zu Russland. „Ein sogenannter Kotau, also eine Verbeugung vor Putin, ist eine mögliche Antwort auf die veränderte Sicherheitslage in Europa“, sagt Stahel.

 

 

Putin als potenzieller „neuer Schutzherr“

 

Der Begriff Kotau stammt aus den Zeiten des chinesischen Kaiserreichs: Der Grüßende warf sich dafür nieder und berührte mehrmals mit der Stirn den Boden. Was Stahel damit für die heutige Zeit meint, ist folgendes: „Deutschland könnte Putin als neuen Schutzherr anerkennen, statt weiter auf die USA zu setzen.“

 

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Kavalier Wladimir Putin: Die britische Tageszeitung „The Times“ hat Angela Merkel wegen ihrer Vermittlerrolle zwischen Ost und West zur Person des Jahres 2014“ gekürt.

 

Angesichts der vielen Beteuerungen von Angela Merkel undBarack Obama, dass man im Ukraine-Konflikt an einem Strang ziehe, und wie wichtig die transatlantische Partnerschaft sei, scheint das weit hergeholt. „Aber warum sollte das undenkbar sein?“, fragt Stahel. „Russland und Deutschland haben in der Geschichte bereits Bündnisse geschlossen.“ Dass die bestehende Ordnung und Einteilung der Welt in politische Pole auf ewig so bleibe, sei sehr unwahrscheinlich.

 

 

Stahel ist sicher, dass die Überlegung in Regierungskreisen existiert

 

„Sobald Deutschland seine Interessen als Staat gefährdet sieht, könnte das einen Kurswechsel bewirken“, sagt der Experte. Und er ist überzeugt, dass dieser Gedanke auch in Berlin nicht neu ist: „Was die Politiker öffentlich sagen, ist das eine, aber im Hintergrund werden alle Optionen durchgespielt — deshalb bin ich mir sicher, dass diese Überlegung in Regierungskreisen existiert.“

 

Wie schnell eine solche Option ernsthaft auf den Tisch kommen könnte, hänge davon ab, wie sich die Lage in der Ukraine entwickelt, sagt Stahel: „Das kann in einem oder in fünf Jahren sein, aber die Überlegungen sind da.“

 

 

Deutschland sei für die Großmächte entscheidend

 

Deutschland spielt nach der Überzeugung des Schweizers eine Schlüsselrolle in der Konfrontation zwischen den USA und Russland: „Sowohl für Russland als auch für die USA ist es Deutschland, das in Europa zählt. Der Rest ist für die Großmächte letztlich nur Beiwerk“, sagt Stahel.

 

Sollte sich Deutschland tatsächlich Russland zuwenden, würde das für die Amerikaner laut Stahel „einen glatten Rauswurf aus Kontinentaleuropa“ bedeuten. Denn was die Bundesrepublik tut, hat große Auswirkungen auf die anderen europäischen Staaten. „Alle schauen nach Berlin — und vermutlich würden viele dem deutschen Beispiel folgen“, so Stahel.

 

 

USA versuchen, Stärke zu beweisen

 

Dabei versuchen die USA durchaus, Stärke gegenüber Russland zu demonstrieren: Erst am Wochenende waren Pläne des Pentagons bekannt geworden, schweres Gerät für 5000 Soldaten in Osteuropa und im Baltikum zu stationieren.

 

Doch für Stahel sind diese Pläne „militärisch bedeutungslos“. Es handle sich lediglich um eine politische Beruhigungspille für die osteuropäischen Staaten: „Wenn die USA wirklich abschrecken wollen, dann müssten sie eigene Stützpunkte errichten oder welche übernehmen und dort dauerhaft Soldaten stationieren – und dann brauchen sie dort nicht nur Schützenpanzer, sondern auch Kampfflieger. Aber dazu werden sie sich nicht durchringen.“

 

 

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