Russland hat Besseres zu tun, als einen dritten Weltkrieg anzufangen

Дата публикации: 12 Июнь 2015, 12:54

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von Bryan MacDonald, irischen Autor und Kommentator, rt.com.eng, Übersetzung: FritztheCat (Propagandameldung)

 

«Nur im Traum eines Verrückten greift Russland die NATO an». Das sagte Vladimir Putin an diesem Wochenende. Leider arbeiten in der westlichen Politik und ihrer Medienlandschaft jede Menge Verrückter.

 

Würde man die G7 nach dem BIP (Bruttoinlandsprodukt) zusammenstellen, so wären die Mitglieder: USA, China, Indien, Russland, Deutschland und Brasilien. So eine Zusammenstellung hätte eine beträchtliche Schlagkraft. Ihre Mitglieder würden 53% des weltweiten BIPs repräsentieren und die drei mächtigsten Militärmächte wären vertreten.

 

Das Problem Washingtons: Eine solche gedachte G7 könnte tatsächlich ein Forum für eine echte Debatte über die Weltordnung sein.

 

Anstelle eines echten G7 handelt es sich hier um eine Komödie. Bei dieser amerikanisch dominierten Plauderrunde gestattet der US-Präsident seinen «befreundeten» ausländischen Führern, ihm zwei Tage lang den Bauch zu pinseln. Widerspruch gibt es keinen. Die Dominanz Washingtons wird nicht in Frage gestellt und alle haben eine schöne Zeit. Besonders seit sie letztes Jahr Russland rausgeschmissen haben – Vladimir Putin war der einzige Gast der die Harmonie in Frage stellte.

 

Es gibt jedoch ein Problem: diese «angenehme» G7 hat ihr Haltbarkeitsdatum überschritten. Die Zeiten als ihre Mitglieder sich als die führenden Wirtschaftsmächte bezeichnen konnten sind so weit entfernt wie Grunge und Britpop. Heute repräsentieren die G7 gerade mal 32% des Welt-BIP-Kuchens. Anstatt von Schwergewichten wie China und Indien haben wir mittelmässige Nationen wie Kanada und Italien, letzteres ein wirtschaftlich hoffungsloser Fall. Das BIP Kanadas liegt nur etwas über dem des krisengeschüttelten Spaniens und liegt unter dem von Mexiko und Indonesien.

 

Aber der Premierminister dieses Durcheinanderlandes, Stephen Harper, marschiert das ganze Wochenende mit einem Selbstbewusstsein durch Bayern, dass man glauben könnte, seine Meinung würde zählen. Natürlich wird Harper Obama nicht bedrängen. Eher neigt er dazu – bildlich – den Ring zu küssen und die selbe Litanei wie der südliche Nachbar herunterzubeten.

 

 

NATO und G7 – Zwei Seiten der selben Medaille?

 

Beim G7 wurde oft von «russischer Aggression» gesprochen. Das verwundert nicht, sind doch 6 von den 7 auch Mitglieder der NATO, noch so eine Gruppe in der sie sich an Washingtons Locke in vergnügter Selbstvergessenheit einen runterholen können. Obama hat vorgelegt, David Cameron hat die Gefühle seines Meisters nachgeplappert und Harper hat gleich zum Regimewechsel in Russland aufgerufen. Es ist diesem Trio anscheinend nie in den Sinn gekommen, dass man die Fragen bezüglich Russlands in Bayern leichter mit Putin lösen könnte. Der unbedachte Ausschluss Russlands aus dem Klub hat dem Dialog eher nicht gedient.

 

Matteo Renzi hat sich dabei ziemlich still verhalten. Es machte die Runde, dass Italiens Premierminister insgeheim die EU-Sanktionen gegen Russland ablehnt. Diese hätten Auswirkungen auf Italiens schwächelnde Wirtschaft. Und Renzis nächste Aufgabe nach dem G7-Gipfel ist der Empfang Putins in Rom.

 

Mit diesem Besuch vor Augen gab Putin dem «Corriere della Sera» ein Interview. Darin beantwortet er im Grunde all die Fragen, die ihm Obama, Cameron und Harper hätten stellen können, wenn diese nicht ihre Spielsachen aus dem Kinderwagen geschmissen hätten und Putin aus der G8 ausgeschlossen hätten.Putin betonte, dass man die Panikmache im Westen über andauernde «russische Aggression» nicht ernst nehmen solle, ein globaler militärischer Konflikt sei in der modernen Welt nicht vorstellbar. Ziemlich unverblümt sagte der russische Präsident ebenso: «Wir haben Besseres zu tun» (als den 3. Weltkrieg anzufangen).

 

Putin schnitt auch einen Punkt an, den einige vernünftige Kommentatoren anschnitten: „Bestimmte Länder könnten absichtlich solche Ängste schüren“, sagte er, es bestünde die Möglichkeit, dass die USA eine äußere Bedrohung aufbauten um ihre Führung in der atlantischen Gemeinschaft zu wahren. „Iran ist dazu offensichtlich nicht beängstigend oder groß genug“, fügte Putin ironisch hinzu.

 

 

Eine Welt voller «Guter» und «Böser»

 

Damit Washington seine enormen Militärausgaben halten kann muss es seine Bürger in konstanter Alarmbereitschaft halten. Sonst kommt noch einer auf die Idee, dass man einen Teil der Kohle der Streitkräfte für produktivere Dinge wie Krankenhäuser und Schulen benutzen könnte. Diese Ausgaben sind allerdings für Waffenhersteller nicht sehr hilfreich und den Zeitungen und Fernsehleuten bringen sie auch keine aufregende Story.

 

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion war Russland zu schwach und in Nöten, um ein ernsthafter Gegner zu sein. Abgesehen von den Atomwaffen – deren Einsatz allerdings nur die gegenseitige Vernichtung bedeuten würde – war das Militär des gedemütigten Bären keine glaubwürdige Bedrohung. Stattdessen zielte das Gift der Kriegstreiber auf den Nahen Osten und den Balkan, und Saddam Hussein, Muammar Gaddafi, Slobodan Milosevic und Osama bin Laden hielten die Aufmerksamkeit der öffentlichen Meinung für eineinhalb Jahrzehnte beschäftigt. Aber die sind jetzt alle tot und die Kriegspropaganda braucht einen neuen Schurken, der den Joker für Amerikas Batman spielt.

 

Kim Jong-Un sah eine Weile vielversprechend aus. Das Problem ist jedoch, dass Nord Korea zu unberechenbar ist und auf Provokationen leicht zurückschlagen könnte. Das könnte zum Beispiel zu einer Nuklearattacke auf Seoul führen oder Washington in einen Konflikt mit China treiben. Das ist selbst für die Neokonservativen zu riskant. Ein weiterer Kandidat war Bashar al-Assad. Zum Leidwesen der Säbelrassler, Damaskus schon vor Augen, hat Putin ihren Plan vereitelt. Damit wurde Putin für die NeoCons zum Teufel und jetzt richten sie alle Knarren auf ihn.

 

 

Russland – ein nahöstliches/nordafrikanisches Schlachtfeld?

 

Es ist seitens der Medien bemerkenswert, wie viele neocon-Schmierfinken sich in den letzten zwei Jahren von Syrien-Experten in Russland-Experten verwandelt haben. Mark Ames hat auf pando.com dieses seltsame Phänomen in einem ausgezeichneten Artikel beleuchtet. Ames konzentriert sich auf den seltsamen Fall des Michael Weiss, ein New Yorker Aktivist, der das anti-russische «Interpreter» Magazine (eigentlich ein blog) herausgibt. Der «Interpreter» wird angeblich von Michail Chodorkowsky kontrolliert und einer verschwiegenen Stiftung namens «Herzen» (nicht das Original aus Amsterdam), über die keine öffentliche Information verfügbar ist.

 

Weiss war lange Zeit Nahost-Analyst und er unterstützte ein US-Eingreifen zum Sturz Assads. Plötzlich, kurz vor den heftigen Maidan-Verwerfungen in Kiew, erfand er sich neu als Russland- und Ukraine-Experte, war in allen US-Medien rauf und runter (von CNN bis Politico und The Daily Beast) um seine «Weisheiten» abzuliefern. Das macht er, obwohl er sehr wenig über Russland weiß und nie dort lebte. Der Herausgeber des Interpreter heißt James MiIller und benutzt die Twitter-Adresse @millerMENA (MENA steht für Middle East, North Africa). Ich war in diesen Ländern und ich kann Ihnen versichern, dass Russland und Nordafrika sehr wenig gemeinsam haben.

 

Weiss und Miller sind keine ungewöhnlichen Fälle. Weil ihre Syrienträume schon im Anfangsstadium beerdigt wurden, haben Kriegstreiber und neocon-Aktivisten Russland zur schwarzen Bestie stilisiert. Dieses Paar hat aber im Vergleich zu anderen erheblichen Einfluss auf die Medienlandschaft und es kommt natürlich als Besorgnis um die Ukraine zur Geltung. In Wahrheit kümmert sie die Ukraine soviel wie einen Fleischfresser die Gefühle seines Abendessens kümmert.

 

Putin betonte, dass Russlands Militärpolitik «nicht global, offensiv oder aggressiv» sei. Er fügte hinzu, dass Russland praktisch keine ausländischen Militärbasen unterhalte und die wenigen die existieren stammen aus Sowjetvergangenheit. Gleichzeitig braucht eine vor Norwegens Küste aus einem stets feuerbereiten US-U-Boot abgefeuerte Rakete nur 17 Minuten bis Moskau, sagte Putin, und bemerkte, dass diese Tatsache in den Medien nicht als «Aggression» bezeichnet wird.

 

 

Der Niedergang des Baltikums

 

Ein weiteres andauerndes Problem sind die baltischen Republiken. Diese drei Länder sind seit ihrer Unabhängigkeit ein einziges Desaster und sie verlieren mit einer alarmierenden Rate ihre Bevölkerung. Die Bevölkerung Estlands fiel in den vergangenen 25 Jahren um 16%, Lettland 25% und Litauen erstaunliche 32%. Die politische Führung dieser Nationen benutzt die eingebildete «russische Bedrohung» als Ablenkung für ihr eigenes wirtschaftliches Versagen und ihre Korruption. Permanent nerven sie Amerika um mehr militärische Unterstützung, was den Kreml weiter verärgert, was wiederum dazu führt, dass die NATO ihre Gegenwart zu Russlands Westgrenzen verstärkt. Die selben Grenzen, die Napoleon und Hitler überschritten und verständlicherweise sind Russen diesbezüglich paranoid.

 

Die einfache Wahrheit ist: Russland hat für die baltischen Republiken keine Verwendung. Selbst wenn Moskau solche Träume hätte, der Preis für die Unterwerfung wäre zu hoch. Was Russland und die USA in Afghanistan und die USA im Irak gelernt haben: es ist im 21. Jahrhundert schier unmöglich, eine Bevölkerung zu besetzen die nicht besetzt werden will. Der Gedanke dass Russland seine hart erkämpfte Wirtschaft und den sozialen Fortschritt für die Eroberung Kaunas opfert, ist offen gesagt absurd.

 

Die Wiedervereinigung der Krim mit Russland wird oft als «Zeichen» für den Wunsch des Kreml nach einem sowjetisch/zaristischen Reich benutzt. Das ist Blödsinn. Die überwiegende Mehrheit der Krim-Bevölkerung wollte zu Russland zurück und Nikita Kruschtschows hirnverbrannte Übertragung in das Gebiet der Ukraine rückgängig machen. Nicht einmal die durchgeknalltesten russischen Nationalisten glauben, dass die Einwohner Rigas oder Tallins russische Staatsbürger werden wollen.

 

Putin hat daran erinnert, was der französische Präsident Charles de Gaulle als erster andachte: «einen gemeinsamen Wirtschaftsraum, der sich von Lissabon bis Wladiwostok erstreckt». So wie die NATO den Einsatz gegen Moskau erhöht ist dieser Traum weiter denn je entfernt.
08.06.2015

 

Quelle: Fit4russland


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