G7 – der Gipfel der Lüge: Wie Alpha-Journalisten uns mit Senf zuschmieren

Дата публикации: 12 Июнь 2015, 19:46

Participants of the G-7 summit  crowd in front of Schloss Elmau hotel in Elmau, near Garmisch-Partenkirchen, Germany, Monday June 8, 2015. ( Michael Kappeler/Pool Photo via AP)

Participants of the G-7 summit crowd in front of Schloss Elmau hotel in Elmau, near Garmisch-Partenkirchen, Germany, Monday June 8, 2015. ( Michael Kappeler/Pool Photo via AP)

 

Über allen Gipfeln ist Ruh: Die deutschen Leitmedien hatten alle Hände voll zu tun. Sie mussten den Antigermanismus der USA wegschreiben und falsche Alpenidylle verbreiten. Diese G7-Inszenierung wurde zur Sternstunde für Stefan Kornelius: Der Transatlantiker dichtete in der Süddeutschen Zeitung über Merkel und Obama, ein Traumpaar wie Ketchup & Mayonnaise. Wer Kornelius liest, glaubt tatsächlich, die Deutschen sind die Bösen. Danke, liebe USA – bitte noch mehr Senf & Spionage!

 

von Peter Harth

Quelle: Kopp

 

Wenn Journalisten die Wahrheit ignorieren möchten, schwadronieren sie über Senf – süßen und scharfen. Zumindest Stefan Kornelius tut das. Mit Senf schreibt der Chefleitartikler derSüddeutschen Zeitung die US-Spionageaffäre einfach weg. Was nicht sein darf, ist auch nicht – und wenn es den deutschen Lesern zehnmal unter den Nägeln brennt. Unwichtig! Das ist ein dubioser Standpunkt; gerade, wenn man wie Kornelius das außenpolitische Ressort der SZ leitet.

 

Die Zeitung aus München ist ein Leitmedium, trotzdem schreibt Kornelius über den G7-Gipfel im bayerischen Elmau wie über Ketchup & Mayonnaise. Sein Lieblingsgericht: »Merkel und Obama – zwei wie süßer und scharfer Senf.«

 

Jahrelang benutzte der US-Geheimdienst NSA den Bundesnachrichtendienst, um ganz Europa auszuspähen – und niemand will davon gewusst haben. Jetzt saß US-Präsident Obama gemeinsam mit Kanzlerin Merkel bei Weißbier, Weißwürsten und Brezn. Das zerrüttete deutsch-amerikanische Verhältnis wurde nur notdürftig kaschiert. Ist es da nicht die Aufgabe eines Journalisten, den Finger in die Wunde zu legen, mit bohrenden Fragen den Schleier der politischen Inszenierung zu lüften? Tacheles zu reden?

 

 

Das transatlantische Senf-Märchen

 

Bei Kornelius liest sich das so: »Kann Senf überhaupt süß sein? In Bayern schon, weil man da die scharfen und bitter schmeckenden Senfkörner röstet und anschließend mit Apfelmus oder Honig versetzt. So treibt der Senf die Tränen plötzlich nicht mehr in die Augen, sondern umschmeichelt die Weißwurst und den Leberkäs.«

 

Er sieht eine »gute und zutiefst pragmatische Beziehung« zwischen Merkel und Obama. Übrigens ein wahrer Gentleman, weil er unserer Kanzlerin die »Führung« in Europa überlässt, solange sich

der Kontinent gegen den gemeinsamen Feind stellt:»Großmächtige wie der russische Präsident Wladimir Putin.«Mit diesen Worten schreibt Kornelius tatsächlich den schmutzigen Stellvertreterkrieg in der Ukraine zwischen Russland und den USA um – so einseitig und amerikafreundlich, dass es fast schon Satire sein könnte. Leider ist es nur die hohe Kunst der Katzbuckelei. Das amerikanische Englisch kennt dafür ein unschöneres Wort: Ass-kisser.

 

 

Peitsche und Rute für den Knecht

 

Den Spionage-Ärger vergisst Kornelius aber nicht ganz. Zwei Sätze reserviert er dafür und verdreht in ihnen alle Tatsachen. Erste Münchhausiade: »Umgekehrt muss die Kanzlerin eingestehen, dass sie die USA nicht nur aus politischem Kalkül an der Seite haben will, sondern dass Deutschland dieses Land ganz praktisch braucht – und sei es bei der Aufklärung von Gefahren mithilfe der Nachrichtendienste.«

 

Unsere mit Abstand größte »Gefahr« sind aber ausgerechnet die USA mit ihren Geheimdiensten. Niemand sonst hat Deutschland so komplett unterwandert. Die Gefahr soll also die Gefahr beseitigen. USA-Freund Kornelius befördert damit den gefräßigen Ziegenbock zum Gärtner. Obwohl er bereits genug Pflanzen gefressen und Beete zertrampelt hat.

 

Zweite Münchhausiade: »Ein allemal gerne gepflegter Antiamerikanismus wurde genährt von Spionage-Eskapaden.« Es ist genau andersherum. Jede neue Spionage-Dreistigkeit, die ans Licht kommt, zeigt doch nur eins: In Washington traut man den Deutschen nicht. Dort mischt sich Größenwahn mit Antigermanismus. Wir sind kein gleichberechtigter Freund, mit dem man sich den

gemeinsamen Weg teilt. Wir sind ein Knecht – der störrische Esel, dessen Loyalität ständig hinterfragt wird. Der bespitzelt werden muss, denn er könnte ja davonlaufen. Für den es neben der Peitsche auch eine Rute braucht. Daran baumelt eine saftige, farbenfrohe Möhre, die uns zurück auf den Weg nach Washington lockt.

 

 

Wer dem deutschen Esel Futter gibt

 

Dem Esel Futter geben, diesen Job übernehmen ausgerechnet führende Leitartikler und Top-Journalisten hinter ihren Schreibtischen. Sie sind eng eingebunden in ihre Elite-Netzwerke. Der Name verrät es schon: Diese undurchsichtige und verborgene Machtklüngelei vergiftet unsere demokratische Willensbildung. Aufgebaut und unterhalten werden solche logenähnlichen Zirkel von politischen und wirtschaftlichen Eliten.

 

Vielversprechende Journalisten sollen so auf Einladung in das elitäre Milieu hineinschnuppern, doch der Kuschelkurs ist nicht uneigennützig. Die verführten und domestizierten Journalisten verlieren den professionellen Abstand, übernehmen Habitus und Denken. Anschließend beeinflussen sie mit ihren Berichten, Kommentaren und Kolumnen unsere öffentliche Meinung. Die »Sicht der Dinge« in den Artikeln deckt sich erstaunlich oft mit der »Sicht« der elitären Kreise. Man kennt sich, man mag sich – natürlich alles ganz vertraulich und unter drei.

 

 

Die Alphajournalisten auf der transatlantischen Linie

 

Kornelius ist nach einer Analyse des Medienwissenschaftlers Uwe Krüger so stark in diese Netzwerke eingebunden wie kaum ein anderer deutscher Journalist. Der Mann, der bei der SZ das außenpolitische Ressort führt, bewegt sich in ganz ähnlichen Zirkeln wie Klaus-Dieter Frankenberger (leitet bei der FAZ das Ressort Außenpolitik), Josef Joffe (Herausgeber der Zeit) oder Michael Stürmer (Chefkorrespondent der Springer-ZeitungDie Welt).

 

Die Netzwerke, in denen sich Kornelius bewegt, festigen die transatlantischen Beziehungen, also die Partnerschaft Knechtschaft zwischen Deutschland und den USA: Er ist Mitglied der Atlantik-Brücke und Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik.

 

Diese Denkfabrik vernetzt Führungskräfte aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien. Er ist Moderator für die politiknahe Körber-Stiftung und wird vom American Institute for Contemporary German Studies als «häufiger Mitarbeiter« bezeichnet. Er saß im Präsidium der Deutschen Atlantischen Gesellschaft, ein Lobbyisten-Netzwerk der NATO.

 

 

Schizophrenie statt Distanz: Wenn Journalisten Politiker beraten

 

Er sitzt im Beirat der Bundesakademie für Sicherheitspolitik. Diese Denkfabrik des Verteidigungsministeriums berät die Bundesregierung bei außenpolitischen Fragen. Das heißt: Der Berater Kornelius verfasst für Kanzlerin Merkel ein Strategiepapier. Anschließend darf der Journalist Kornelius mit exklusiven Informationen darüber schreiben. Trotz aller Schizophrenie ein bemerkenswerter Kreislauf. Last but not least: Der SZ-Journalist hat exklusiven Zutritt zur umstrittenen Münchner Sicherheitskonferenz, dem jährlichen Stelldichein von NATO-Militärs, Rüstungsindustrie und Außenpolitikern. Dort darf der Kornelius nicht nur mit den Mächtigen im Plenarsaal diskutieren – ihm stehen auch alle Empfänge am Rande offen.

 

Diese Masse an Verflechtungen – aufgedeckt durch den Medienwissenschaftler Krüger – führt natürlich zu unangenehmen Fragen: Kommt der Mann bei all seinem transatlantischen Stress denn überhaupt noch zum Schreiben? Bisher funktioniert es wunderbar. Er hat noch genug Kraft und Elan, um dem Volk Senf ums Maul zu schmieren. Kein Honig, aber immerhin süßer Senf und ein geschmacklicher Ausrutscher über das deutsch-amerikanische Verhältnis. Das ist zwar lange nicht so harmonisch, wie es Kornelius den SZ-Lesern einredet – aber immerhin wird so etwas in seinen Zirkeln bestimmt gerne gelesen.

 

 

»Das will ich mir nicht kaputtmachen lassen«

 

Hat diese Ämterhäufung, das Eintauchen in Denkfabriken, Stiftungen und politische Elite-Zirkel aber nicht auch eine schädliche Wirkung? Zerstört es die kritische Distanz von Journalisten, manipuliert ihre Berichterstattung und verzerrt damit die öffentliche Meinung? Für sich selbst hat das Kornelius in einem Interview mit dem Medien-Magazin ZAPP ganz einfach beantwortet:

 

»Da muss man sich ja eigentlich fragen: Ups, was haben wir eigentlich noch für eine Legitimation? Ich glaub schon, dass wir sie haben, weil wir den Job länger machen, weil wir das auch besser eingeübt haben und uns auch stärker journalistisch bemühen. Und das will ich mir nicht kaputtmachen lassen, indem man die Foren, in denen ich journalistisch arbeite, als Quelle arbeite, kaputtmachen lasse.«

 

Nein, »kaputt« will sich Kornelius wirklich nichts machen lassen. Warum auch? Die Berichterstattung der Medien in Deutschland läuft wie geschmiert. Warum etwas ändern, das für Journalisten so wunderbar funktioniert – tut es das aber auch für die Leser?

 

 

Untesrtützung für Newsfront


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