Kapitalismus ad absurdum: Willkommen in der Ukraine

   Дата публикации: 07 Июнь 2015, 12:48

 

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Die Finanzminister Jack Lew (USA) und Natalja Jaresko (Ukraine). Bild: Flickr / US-Botschaft in Kiew CC-BY-ND 2.0

 

Seit der Nummer auf dem Maidan ist die Ukraine nicht mehr aus den Medien wegzudenken. Ständig hört man vom Mainstream die „Mär vom bösen Russen“ und vom „Amerikaner, der nur Frieden will“, aber die Tatsache, dass der Kapitalismus mit seinen Freiheiten dort extrem seit dem Maidan vollzogen wird, liest man nicht immer. Dabei sind die Anzeichen dafür schnell zu erkennen.

 

Von Lennox Linz

 

Das EU-Assoziierungsabkommen war der Auslöser für die Maidan-Revolution. Diese Tatsache kennt der Freund des Mainstreams und auch der Leser des alternativen Gegenparts. Grob gesagt, wollte und will der Westen die Ukraine näher an sich binden. Aus einem Staat, der wie Österreich oder auch die Schweiz, nun nicht eindeutig einem Lager zuzuorden ist, wurde ein gespaltener Staat. Während der Westen des Landes sich – auch mit Verständnis – mehr dem Westen zugehörig fühlt, wehrt sich der Donbass mit Händen und Füßen gegen diese Westanbindung.

Mögen auch pro-russische Befindlichkeiten hierfür eine Rolle spielen, so kann man die Gründe aber auch aus wirtschaftlicher Sicht sehen: In der Ukraine findet eine sehr brutale Form des Kapitalismus statt. Es gibt sehr viele Beispiele,die diese Tatsache untermauern. Alle in einem Artikel zu nennen und zu durchleuchten würde freilich den Rahmen sprengen. Deswegen werden zunächst einige Beispiel aufgezeigt, woran man das erkennt.

 

Seit der Westanbindung findet man in den Supermärkten in Kiew oder in anderen westlichen ukrainischen Städten vermehrt Produkte aus dem Westen, was an sich nun noch keine schlimme Tatsache erscheint. Allerdings sind dort viele Produkte aus der Landwirtschaft wie Joghurt oder andere Milchprodukte zu sehen. Dabei hatte die Ukraine eine sehr gut funktionierende Landwirtschaft, die als „Kornkammer der Sowjetunion“ galt. Den Landwirten wird durch verbilligte West-Produkte allerdings das Leben sehr schwer gemacht, vor allem deswegen weil verbilligte West-Produkte in Zeiten der Renten- und Gehaltskürzung nun nicht gerade selten gekauft werden.

 

Zudem will bekannterweise auch Monsanto sein Geschäftsgebiet in Richtung Ukraine überweisen. Der Saatgut-Konzern ist schon für viele Landwirte in der Europäischen Union ein Konzern, der wohl mehr Sorgen bereitet als durch seine Gentechnik einen Nutzen bringt. Im Internet kursieren etliche Beiträge über Monsanto. Zudem gehen in gewissen Zeitabschnitten die Menschen immer wieder explizit gegen Monsanto und TTIP auf die Straße. Wer sich über Monsanto kundig machen möchte, der findet etliche kritische Beiträge in jeder westlichen Sprache.

 

Ein weiterer Anknüpfungspunkt sind die vielen Privatarmeen in der Ukraine. Vor allem das rechte Azov-Bataillon macht den friedvollen Bürgern in der Ukraine sehr zu schaffen. Warum solche Armeen nicht bekämpft werden, sondern anscheinend noch von der US-Söldnertruppe Academi (zuvor Blackwater) ausgebildet werden erscheint sehr befremdlich. Möglicherweise möchte man durch solche Privatarmeen den Staat Ukraine exkulpieren, falls mal unerwartet der Fall eintreten würde, dass ein internationales Gericht – wie beispielsweise der Völkerstrafgerichtshof zu Den Haag – über die vielen Kriegsverbrechen aburteilen muss. Hier könnte sich die Ukraine auf den Verweis „private Armee“ vor bitteren Strafen noch exkulpieren.

 

Auch die Tatsache, dass eine US-Bürgerin und Investmentbankerin auf einmal Finanzministerin der Ukraine wird, lässt nicht gerade darauf schließen, dass man eine zumindest soziale Marktwirtschaft in der Ukraine aufbauen will, sondern vielmehr den extremen Kapitalismus vorantreiben möchte. Vor allem klopfen neben Monsanto auch viele andere US-Konzerne an Kiews Tür und wollen Geschäfte mit maximalen Gewinn machen. In Deutschland gingen über 30.000 Menschen am vergangenen Donnerstag auf die Straße und protestierten gegen das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP. Vor allem aus Angst, dass man vor den mächtigen US-Konzernen nicht mithalten kann.

 

Steigende Grundnahrungspreise, weniger bis gar keinen Lohn, fehlende Rentenzahlungen deuten ebenfalls auf die negative Entwicklung in der Ukraine an. Grundsätzlich ist es ja bekannt, dass Konflikte und Kriege immer einen politischen Vorwand haben. Der Westen schürt mit der Gefahr vor einem aggressiven und revisionistischen Russland seit Jahren Antipathien gegen den Kreml. Wenn in Russland die Justiz über das Ziel hinausschießt, dann wird darüber monatelang berichtet, gefilmt, gesprochen und wenig recherchiert. Oder hat mal eine große Zeitung den Wortlaut der „homophoben Gesetze“ gezeigt? Während man über Gesetze hierzulande zehn Rechtsexperten fragt und sich am Ende nichts sehnlicher wünscht als einen „rechtsfreien Raum“, so reicht hier oftmals ein Verweis auf eine westliche Nichtregierungsorganisation.

 

Wie bereits gesagt, lassen sich nicht alle Beispiele in einen gewöhnlichen Artikel einbauen. Zudem ist man hier angehalten, die genannten Fakten mal zu recherchieren und kritisch zu hinterfragen. Am Ende sei aber besonders darauf hingewiesen, dass hier nicht der Kapitalismus als solcher hinterfragt werden soll, sondern einfach zeigen, dass man ein umstrittenes System auch extrem in einem Land, was seit Jahren Probleme in beängstigender Weise in nur einem Jahr durchboxen kann und weiter, unter anderem mit Gewalt durchboxen wird.

 

Probleme wie im Westen – z.B. Hartz IV oder der Niedriglohnsektor – wären dort die geringsten Probleme. Im Winter nahen wieder Kälte, Hunger und Obdachlosigkeit. Menschen denen die Grundbedürfnisse derart entzogen werden, sind leicht manipulierbar und werden dann weiter für das „demokratische , westliche kapitalistische System“ missbraucht. Die bisherigen Gewinner in diesem Konflikt sind offenkundig die Investoren und Spekulanten. Wer das nicht glaubt, der kann gerne mal den Finanzmarkt beobachten.

 

Quelle: Contra Magazin


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