Medienphantasie: Putins “Troll-Einheit”

Дата публикации: 01 Июнь 2015, 00:02

Putin-Weißrussland-620x330

Putin bei den Gesprächen in Minsk. Bild: Kreml

 

«Kreml-Trolle», «Putins Kommentar-Armeen» und mit weiteren reißerischen Titeln berichten immer wieder gerne die westlichen Leitmedien über die Wahrheitsverzerrung im Internet. «Beweise gibt es dafür allerdings nicht», wird dann von den ehrlicheren Journalisten dieser Kaste dann aber im weiteren Verlauf eingeräumt.

 

Von Christian Saarländer

 

So langsam wissen wir es ja: Ohne Qualitätsmedien wie Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung oder das Wochenblatt Der Spiegel würde die Demokratie den Bach runter gehen und alle Bürger würden dumm sterben. Deswegen lassen sich solche Medien auch nicht lumpen, über eine AFP-Depesche fast zeitgleich zu berichten, die endlich über die «bösen Trolle» des Kremls entlarvt. Diese Depesche, welchen von den Kunden – hier die selbsternannten Qualitätsmedien – aufgegriffen wurde, handelte von der herzergreifenden Geschichte der Ludmille Sawtschuk, die für umgerechnet 800 Euro im Monat im Auftrag einer Kreml-nahen PR-Firma in Foren, Blogs und Chats pro-russische Kommentare abgab.

Zusammen mit Studenten und Hausfrauen, denen Politik »egal“ war, soll sie im Norden von St. Petersburg gearbeitet haben. Viele Deutsche «Demokratie-Lover» und «Bildungsbürger» fühlten sich durch eine solche Berichterstattung natürlich intellektuell gebauchpinselt und hatten endlich was Handfestes gegen die «Putin-Versteher» hierzulande, welche beispielsweise auf Facebook mal hier und da eine Meinung jenseits des Mainstreams abgeben. Kommentare wie «Bekommst du für deine einseitigen Postings eigentlich Geld?», liest man dann nicht allzuselten und als Fußnote werden dann schön die Mainstream-Artikel als Basis für eine solche Anschuldigung genommen.

 

Selbstverständlich gibt es regierungsnahe PR-Agenturen, die auch im Namen für Deutschland, Österreich oder Frankreich in Wort, Schrift und Bild versuchen, das Image dieser Länder aufzupeppen. Ob diese nun auch in sozialen Netzwerken wie wild herumtrollen, ist allerdings so fraglich, wie die Geschichte aus St. Petersburg. Immerhin wurde die Geschichte von Paul Schreyer auf dem Internetmagazin Telepolis hinterfragt. Ins Augenmerk fiel ihm dabei die Tatsache, dass diese Geschichte besonders eifrig von den Alpha-Männchen der Qualitätspresse geteilt wurde. Des Weiteren wird man dort auf andere Artikel verlinkt – unter anderem auf den Guardian – die zwar gerne solche Trolle vermuten, aber letztendlich keine Beweise dafür haben, was dann aber auch eingeräumt wird.

 

Fairerweise muss man hier einräumen, dass nun die AFP (Agence France Presse) nun nicht treibende Kraft der Russland-Kritiker ist, sondern in erster Linie ein weltweites Netzwerk von Korrespondenten ist und nicht die schlechteste Agentur ist. Wie so mancher Artikel nun dort zustande kommt und wer dahinter steckt, lässt sich aus den deutschen Leitmedien-Artikeln nun nicht immer entnehmen. Man erkennt deren Agenturmeldungen in diesen Leitmedien am Kürzel «AFP», welches meist am Anfang steht. Zudem bleibt anzumerken, dass die AFP seine meisten Kunden im französischsprachigem Raum hat, also Frankreich, Belgien und Luxemburg.

 

Diese Geschichte ist ein Paradebeispiel für die Recherchefaulheit und Verantwortungslosigkeit in den deutschen Pressehäusern. Denn immer mehr Nachrichten werden nicht mehr selbst produziert, sondern fast identisch mit den Agenturtexten – sei es nun die AFP oder die Deutsche Presseagentur – übernommen werden, ohne sich dabei eine Sekunde die Mühe der Gegenrecherche zu machen. Und sollte sich die Geschichte aus St. Petersburg als eine Ente herausstellen, dann kann man sich zu Recht mit dem Hinweis auf die AFP seine Hände in Unschuld waschen.

 

Fest steht – und das räumt auch Jochen Bittner von der Zeit ein – dass die wachsende Kritik an den Medien im Hinblick auf Russland und die Ukraine , nicht überwiegend von bezahlten Trollen kommt, sondern von echten Lesern. Allerdings wird solche Kritik ja gerne als «rechtsradikal», «anti-semitisch» oder «verschwörungstheoretisch» von den Medien abgewatscht, wenn man nun weiß, dass die Kritik nicht vom Kreml stammt, sondern von den «bösen Bürgern».

 

Es drängt sich nahezu der Eindruck auf, dass die leitenden Medienmacher halt nun nicht in der normalen Welt leben, sondern in ihrer Welt. Eine Welt von etwa 300 Meinungsmachern, die sich nicht für das Feedback ihrer zahlenden Leserschaft interessieren, sondern man sich in der eigenen kleinen Welt gegenseitig übertreffen möchte. Eine Welt aus Medien-Menschen, Politikern und Wirtschaftsbossen. Aber die Kluft zwischen öffentlicher Meinung und der gesteuerten Meinung wächst ja jeden Tag stetig.

 

Und ja: Es gibt auf dieser Welt auch – um es mit anderen Worten auszudrücken – staatliche Infokrieger. Ein Beispiel dafür beispielsweise die Einheit der israelischen Verteidigungskräfte (Israel Defense Force – kurz IDF), die sich Hasbara nennt, was so viel bedeutet wie «Aufklärung» und die im Internet auch offen und ehrlich ihre Aufgaben zeigt. Das Ziel dieser Internet-Soldaten soll es sein, weltweit das Image von Israel auszubalancieren, wenn es weltweite Kritik hagelt. Eine Methode, die nicht moralisch verwerflich, sondern das gute Recht eines jeden souveränen Staates ist. Wenn alternative Medien hierzulande mehr oder weniger kritisch auf diese Einheit hinweisen, dann kann man allerdings sicher sein, dass dies die üblichen und bekannten Vorwürfe zur Folge hat.

 

Solche Vorwürfe kommen dann nicht unbedingt von der Hasbara selbst, sondern von unseren Qualitätsmenschen, die dann meinen, sie müssten den Kollegen von der anderen Seite eine Belehrung in Sachen Geschichte, Toleranz und Medien-Politik geben. Wir wissen also jetzt, dass es in vielen Ländern also Menschen gibt, die ihr Geld damit verdienen, indem sie politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Interessen vertreten. Sie kommen aber nicht alle aus dem Ostblock, sondern arbeiten rund um den Globus. Solche Nebensächlichkeiten wurden aber natürlich nicht in den Leitmedien berücksichtigt, da es allem Anschein nach nicht darum geht, den Menschen zu beschreiben, was auf der Welt los ist, sondern darum den russischen Präsidenten und sein Land zu diskreditieren.

 

Quelle: Contra Magazin

 

 

Helfen Sie Neurussland in dem Sie NewsFront ünterstützen


Комментировать \ Comments
Putin-Weißrussland-620x330


bottom_banner_3
Pomosh
bottom_banner_1