US-Lakai Deutschland hat keine Hemmungen mehr, ihre imperialistischen Ziele zu verfolgen

Дата публикации: 05 Май 2015, 05:11

 

Brzezinski

 

Quelle: Fit4russland

 

Zbigniew Brzezinski schrieb noch 1997, dass Deutschland keine Hemmungen mehr zu haben braucht wegen ihrer Vergangenheit, um ihre imperialistischen Interessen behaupten zu können. Deutschland hat ihre Ziele bereits erlangt mit vorantreibender Rolle in der EU und so gesehen ist für die USA harmlos. Deutschland folgt der USA und wird folgen. Einzig Frankreich könnte sich dem ganzen EU-USA Desaster widersetzen.

 

Hier ist eine Zusammenfassung der uns als wichtig erscheinenden Grundgedanken Brzezinskis zu diesem Thema, die zum Verständnis des Ganzen beitragen. Danach gibt es das ganze Unterkapitel «Grandeur und Erlösung» (gemeint Frankreich und Deutschland) aus Kapitel 3 «Der demokratische Brückenkopf» zu lesen («DIE EINZIGE WELTMACHT», Amerikas Strategie der Vorherrschaft (Online, Deutsch):

 

 

Geostrategische Akteure und geopolitische Dreh- und Angelpunkte

 

Geostrategische Akteure sind jene Staaten, die die Kapazität und den nationalen Willen besitzen, über ihre Grenzen hinaus Macht oder Einfluss auszuüben, um den geopolitischen Status quo in einem Amerikas Interessen berührenden Ausmass zu verändern. Sie sind in geopolitischer Hinsicht potentiell und/oder tendenziell unberechenbar.

 

Aus welchem Grund immer — ob im Streben nach nationaler Grösse, zur Verwirklichung einer Ideologie, aus religiösem Sendungsbewusstsein oder um wirtschaftlicher Erweiterung willen —trachten einige Staaten tatsächlich nach regionaler Vorherrschaft oder nach Weltrang. Sie sind von tiefverwurzelten und vielschichtigen Motiven getrieben. Sie schätzen Amerikas Macht sorgfältig ab, ermitteln, inwieweit sich ihre Interessen mit denen Amerikas decken oder kollidieren, und entwerfen ihre eigenen, begrenzteren eurasischen Zielsetzungen manchmal in Absprache mit der Politik der Vereinigten Staaten, manchmal aber auch im Widerspruch zu ihr.

 

Diesen solcherart motivierten Eurasischen Staaten muss das besondere Augenmerk der USA gelten. Unter den gegenwärtigen globalen Gegebenheiten lassen sich mindestens fünf geostrategische Hauptakteure und fünf geopolitische Dreh- und Angelpunkte (von denen zwei vielleicht zum Teil auch als Akteure in Frage kommen) auf der neuen politischen Landkarte Eurasiens ermitteln.

 

Frankreich, Deutschland, Russland, China und Indien sind Hauptakteure, während Grossbritannien, Japan, Indonesien, obzwar zugegebenermassen ebenfalls sehr wichtige Länder, die Bedingungen dafür nicht erfüllen.

 

Die Ukraine, Aserbaidschan, Südkorea, die Türkei und der Iran stellen geopolitische Dreh- und Angelpunkte von entscheidender Bedeutung dar, wenngleich sowohl die Türkei als auch der Iran in einem gewissen Umfang — innerhalb ihrer begrenzteren Möglichkeiten — geostrategisch aktiv sind.

 

An dieser Stelle mag der Hinweis genügen, dass die wichtigsten und dynamischsten geostrategischen Akteure an Eurasiens westlicher Peripherie Frankreich und Deutschland heissen.

 

Beide sind von der Vision eines geeinten Europas beseelt, obschon sie in der Frage, wie stark und in welcher Form ein solches Europa an Amerika gebunden sein sollte, unterschiedliche Auffassungen vertreten. Beide jedoch haben den Ehrgeiz, etwas Neues in Europa zu gestalten und somit den Status quo zu verändern. Vor allem Frankreich hat ein eigenes geostrategisches Konzept für Europa, das sich in einigen wesentlichen Punkten von den Vorstellungen der Vereinigten Staaten unterscheidet. Es neigt zu taktischen Schachzügen, mit denen es Russland gegen Amerika und Grossbritannien gegen Deutschland auszuspielen versucht, obwohl es auf die deutsch-französische Partnerschaft angewiesen ist, um die eigene vergleichsweise schwache Position auszugleichen.

 

Überdies sind sowohl Frankreich als auch Deutschland mächtig und selbstbewusst genug, um innerhalb eines grösseren Regionalen Wirkungsbereichs ihren Einfluss geltend zu machen. Frankreich strebt nicht nur eine zentrale politische Rolle in einem geeinten Europa an, sondern sieht sich auch als Nukleus einer Gruppe von Mittelmeeranrainern und nordafrikanischen Staaten, die gleiche Probleme haben. Deutschland ist sich in zunehmendem Masse seines besonderen Status als wichtigster Staat Europas bewusst — als wirtschaftlicher Motor der Region und künftige Führungsmacht der Europäischen Union (EU).

 

Gegenüber dem jüngst aus der sowjetischen Bevormundung entlassenen Mitteleuropa empfindet es eine besondere Verantwortung, die vage an frühere Vorstellungen von einem von Deutschland geführten Mitteleuropa erinnert. Zudem fühlen sich sowohl Frankreich als auch Deutschland dazu berufen, die europäischen Interessen in ihren Beziehungen mit Russland zu vertreten, und Deutschland hält wegen seiner geographischen Lage an der Option einer besonderen bilateralen Vereinbarung mit Russland fest.

 

Die anderen europäischen Staaten mittlerer Grösse, die in ihrer Mehrzahl Mitglieder der NATO und/oder der Europäischen Union sind, folgen entweder Amerikas Beispiel oder stellen sich still und heimlich hinter Deutschland oder Frankreich. Ihre Politik hat keinen weitreichenden Einfluss auf die Region, und sie befinden sich auch in keiner Position, in der sie ihre politische Orientierung grundlegend ändern könnten. Derzeit sind sie weder geostrategische Akteure noch geopolitische Dreh- und Angelpunkte.

 

Russland, dies braucht nicht eigens betont zu werden, bleibt ein geostrategischer Hauptakteur — trotz seiner derzeitigen Schwäche und seiner wahrscheinlich langwierigen Malaise. Seine blosse Gegenwart beeinträchtigt die seit kurzem unabhängigen Staaten innerhalb des riesigen eurasischen Raumes der früheren Sowjetunion ganz massiv. Es nährt ehrgeizige geopolitische Ziele, die es immer offener verkündet. Wenn es erst einmal seine alte Stärke wiedergewonnen hat, wird es auch auf seine westlichen und östlichen Nachbarn erheblichen Druck ausüben. Zudem steht Russland immer noch vor der geostrategischen Entscheidung, wie es sich künftig gegenüber den USA verhalten wird: als Freund oder als Feind? Es mag durchaus der Auffassung zuneigen, dass seine Chancen auf dem eurasischen Kontinent grösser seien. Viel hängt von seiner innenpolitischen Entwicklung ab, und vor allem davon, ob Russland eine europäische Demokratie oder wieder ein eurasisches Imperium wird. In jedem Fall bleibt es eindeutig ein geostrategischer Akteur, auch wenn es einige seiner Teile sowie einige Schlüsselpositionen auf dem eurasischen Schachbrett inzwischen eingebüsst hat.

 

Ebenfalls unstrittig ist Chinas Stellung als Hauptakteur. China ist bereits eine bedeutende regionale Macht und strebt aufgrund seiner Geschichte als Grossmacht und seiner Überzeugung, dass der chinesische Staat der Mittelpunkt der Welt sei, wahrscheinlich nach höheren Zielen. Die von seiner Führung getroffenen Entscheidungen beginnen sich bereits jetzt auf die geopolitische Machtverteilung in Asien auszuwirken, während sein wirtschaftlicher Aufschwung bestimmt mit noch grösserer Macht und wachsenden Ambitionen einhergehen wird. Der Aufstieg eines grösseren Chinas wird die Taiwan-Frage wieder aufwerfen und für die amerikanische Position im Fernen Osten nicht folgenlos bleiben. Die Demontage der Sowjetunion hat an Chinas westlichem Rand eine Reihe von Staaten entstehen lassen, denen gegenüber die chinesischen Führer nicht gleichgültig sein können. Wenn China sich auf der internationalen Bühne stärker geltend macht, wird davon auch Russland betroffen sein.

 

An der östlichen Peripherie Eurasiens besteht eine paradoxe Situation. Japan ist fraglos eine internationale Grossmacht, und das amerikanisch-japanische Bündnis hat man häufig — zu Recht — die wichtigste bilaterale Beziehung der USA genannt. Als eine der führenden Wirtschaftsnationen der Welt könnte Japan zweifellos enorme politische Macht ausüben. Dennoch handelt es nicht danach, da es keine regionale Vorherrschaft anstrebt, sondern stattdessen lieber unter amerikanischem Schutz agiert. Wie Grossbritannien im Hinblick auf Europa, zieht es Japan vor, sich aus dem politischen Geschehen auf dem asiatischen Festland herauszuhalten, nicht zuletzt deshalb, weil viele Asiaten jedem japanischen Streben nach einer regional beherrschenden politischen Rolle nach wie vor mit Feindseligkeit begegnen. Diese von Zurückhaltung und Selbstdisziplin geprägte Politik der Japaner verschafft wiederum den USA die Möglichkeit, in Fernost eine zentrale Rolle in Fragen der Sicherheit zu spielen. Japan ist somit kein geostrategischer Akteur, obwohl sein unverkennbares Potential, schnell einer zu werden — insbesondere dann, wenn entweder China oder Amerika ihre gegenwärtige Politik plötzlich ändern sollten -‚ den Vereinigten Staaten einen pfleglichen Umgang mit ihrem japanischen Verbündeten zur besonderen Pflicht macht. Nicht die japanische Aussenpolitik muss Amerika im Auge behalten, sondern es muss vielmehr Japans Selbstbeherrschung sehr subtil kultivieren. Jeder merkliche Abbau in den amerikanisch-japanischen Beziehungen würde unmittelbar die Stabilität in der Region beeinträchtigen.

 

Die Ukraine, ein neuer und wichtiger Raum auf dem eurasischen Schachbrett, ist ein geopolitischer Dreh- und Angelpunkt, weil ihre blosse Existenz als unabhängiger Staat zur Umwandlung Russlands beiträgt. Ohne die Ukraine ist Russland kein eurasisches Reich mehr. Es kann trotzdem nach einem imperialen Status streben, würde aber dann ein vorwiegend asiatisches Reich werden, das aller Wahrscheinlichkeit nach in lähmende Konflikte mit aufbegehrenden Zentralasiaten hineingezogen würde, die den Verlust ihrer erst kürzlich erlangten Eigenstaatlichkeit nicht hinnehmen und von den anderen islamischen Staaten im Süden Unterstützung erhalten würden. Auch China würde sich angesichts seines zunehmenden Interesses an den dortigen neuerdings unabhängigen Staaten voraussichtlich jeder Neuauflage einer russischen Vorherrschaft über Zentralasien widersetzen.

 

Wenn Moskau allerdings die Herrschaft über die Ukraine mit ihren 52 Millionen Menschen, bedeutenden Boden-schätzen und dem Zugang zum Schwarzen Meer wiedergewinnen sollte, erlangte Russland automatisch die Mittel, ein mächtiges Europa und Asien umspannendes Reich zu werden. Verlöre die Ukraine ihre Unabhängigkeit, so hätte das unmittelbare Folgen für Mitteleuropa und würde Polen zu einem geopolitischen Angelpunkt an der Ostgrenze eines vereinten Europas werden lassen.

 

Auch das relativ kleine, dünnbesiedelte Aserbaidschan ist mit seinen riesigen Energiequellen unter geopolitischem Aspekt nicht zu unterschätzen. Es ist gewissermassen der Korken in der Flasche, die die Schätze des Kaspischen Beckens und Zentralasiens enthält. Wenn Aserbaidschan gänzlich der Herrschaft Moskaus unterworfen wird, kann die Unabhängigkeit der zentralasiatischen Staaten bedeutungslos werden. Ist Aserbaidschans Unabhängigkeit erst einmal aufgehoben, können auch seine enormen Ölvorkommen der Kontrolle Moskaus unterworfen werden. Ein unabhängiges Aserbaidschan, das mit den Märkten des Westen durch Pipelines, die nicht durch russisch kontrolliertes Gebiet verlaufen, verbunden ist, wird ausserdem für die hochentwickelten, auf Energie angewiesenen Volks- wirtschaften ein Einfallstor zu den energiereichen zentralasiatischen Republiken sein. Fast wie im Fall der Ukraine ist auch die Zukunft Aserbaidschans und Zentralasiens für das Wohl und Wehe Russlands bestimmend.

 

Die Türkei und der Iran sind gerade dabei, sich den Rückzug russischer Macht zunutze zu machen und einen gewissen Einfluss in der Region um das Kaspische Meer und Zentralasien aufzubauen. Aus diesem Grund könnte man sie als geostrategische Akteure betrachten. Beide Staaten haben jedoch mit ernsten innenpolitischen Schwierigkeiten zu kämpfen, und ihre Möglichkeiten, in der Machtverteilung grössere regionale Verschiebungen zu bewirken, sind begrenzt. Sie verstehen sich ausserdem als Gegner und neigen daher dazu, sich gegenseitig Einfluss streitig zu machen. So war zum Beispiel in Aserbaidschan, wo die Türkei grossen Einfluss gewonnen hat, die iranische Haltung (resultierend aus Sorge über einen möglichen nationalen Aufruhr der Aseris im Iran) für ie Russen hilf reicher. Sowohl die Türkei als auch der Iran sind freilich in erster Linie wichtige geopolitische Dreh- und Angelpunkte. Die Türkei stabilisiert das Gebiet ums Schwarze Meer, kontrolliert den Zugang von diesem zum Mittelmeer, bietet Russland im Kaukasus Paroli, bildet immer noch ein Gegengewicht zum islamischen Fundamentalismus und dient als der südliche Anker der NATO. Eine destabilisierte Türkei würde wahrscheinlich mehr Gewalt im südlichen Balkan entfesseln und es zugleich den Russen erleichtern, den seit kurzem unabhängigen Staaten im Kaukasus erneut ihre Herrschaft auf zuzwingen.

 

Trotz seiner zweideutigen Haltung gegenüber Aserbaidschan unterstützt der Iran die neue politische Vielfalt des mittelasiatischen Raumes auf ähnlich stabilisierende Weise. Er beherrscht die östliche Küstenlinie des Persischen Golfes, während seine Unabhängigkeit, ungeachtet aller gegenwärtigen Feindseligkeiten gegenüber den Vereinigten Staaten, jeder langfristigen russischen Bedrohung der amerikanischen Interessen in der Golfregion einen Riegel vorschiebt.

 

 

Gefährlichstes Szenario

 

Das gefährlichste Szenario wäre möglicherweise eine grosse Koalition zwischen China, Russland und vielleicht dem Iran, ein nicht durch Ideologie, sondern durch die tief sitzende Unzufriedenheit aller Beteiligten geeintes antihegemoniales Bündnis. Ein solches Bündnis würde in Grössenordnung und Reichweite an die Herausforderung erinnern, die einst von dem chinesisch-sowjetischen Block ausging, obgleich diesmal wahrscheinlich China die Führung übernähme und Russland sich dieser anschlösse. Um diese Eventualität, wie fern sie auch sein mag, abzuwenden, müssen die Vereinigten Staaten gleichzeitig an der westlichen, östlichen und südlichen Peripherie Eurasiens geostrategisches Geschick beweisen.

 

Eine geographisch begrenztere, womöglich aber noch folgenreichere Herausforderung könnte eine chinesisch-japanische Achse bedeuten, sollte Amerikas Stellung im Fernen Osten zusammenbrechen und sich Japans Weltsicht auf revolutionäre Weise ändern. Eine solche Achse verbände die Macht zweier ausserordentlich produktiver Völker und könnte sich eine gewisse Form von «Asianismus» als eine beide Partner vereinigende antiamerikanische Lehre zunutze machen. Angesichts der beiderseitigen historischen Erfahrung scheint es jedoch unwahrscheinlich, dass China und Japan in absehbarer Zukunft miteinander ein Bündnis eingehen; allerdings sollte eine weitblickende amerikanische Politik in Fernost sehr wohl in der Lage sein, das Eintreten eines solchen Falles zu verhindern.

 

Nicht minder abseitig, aber nicht völlig auszuschliessen ist die Möglichkeit einer grossen europäischen Neuorientierung, die entweder eine deutsch-russische Absprache oder eine französisch-russische zur Folge hätte. Für beide gibt es in der Geschichte eindeutige Präzedenzfälle, und zu einer von beiden könnte es kommen, wenn die europäische Einigung ins Stocken geriete und sich die Beziehungen zwischen Europa und Amerika ernsthaft verschlechtern sollten. Tatsächlich könnte man sich im letzteren Falle eine europäisch-russische Übereinkunft vorstellen, die Amerika vom Kontinent ausschlösse.

 

Gegenwärtig scheinen alle diese Varianten unwahrscheinlich, andernfalls müssten sich nicht nur die Amerikaner in ihrer Europapolitik schwer vertun, sondern auch auf Seiten der wichtigsten europäischen Staaten müsste eine dramatische Um- oder Neuorientierung erfolgen.

 

 

Europa ist Amerikas natürlicher Verbündeter

 

Es teilt dieselben Werte und, im wesentlichen, dasselbe religiöse Erbe; es ist demokratischen Prinzipien verpflichtet und ist die ursprüngliche Heimat der grossen Mehrzahl Amerikaner. Ausserdem dient Europa als Sprungbrett für die fortschreitende Ausdehnung demokratischer Verhältnisse bis tief in den euroasiatischen Raum hinein. Vor allen Dingen aber ist Europa Amerikas unverzichtbarer geopolitischer Brückenkopf auf dem eurasischen Kontinent.

 

Die Alte Welt ist für die USA von enormem geostrategischen Interesse. Anders als die Bindungen an Japan verankert das Atlantische Bündnis den politischen Einfluss und die militärische Macht Amerikas unmittelbar auf dem eurasischen Festland. Beim derzeitigen Stand der amerikanisch- europäischen Beziehungen, da die verbündeten europäischen Nationen immer noch stark auf den Sicherheitsschild der USA angewiesen sind, erweitert sich mit jeder Ausdehnung des europäischen Geltungsbereichs automatisch auch die direkte Einflusssphäre der Vereinigten Staaten. Umgekehrt wäre ohne diese engen transatlantischen Bindungen Amerikas Vormachtstellung in Eurasien schnell dahin. Seine Kontrolle über den Atlantischen Ozean und die Fähigkeit, Einfluss und Macht tiefer in den euroasiatischen Raum hinein geltend zu machen, wären dann äusserst begrenzt.

 

 

Das Problem besteht jedoch darin, dass es ein rein europäisches Europa gar nicht gibt

 

Es ist eine Vision, eine Vorstellung und ein Ziel, aber noch nicht Wirklichkeit. Westeuropa ist bereits ein gemeinsamer Markt, aber weit davon entfernt, eine politische Einheit zu bilden. Ein politisches Europa muss erst noch entstehen. Tatsache ist schlicht und einfach, dass Westeuropa und zunehmend auch Mitteleuropa weitgehend ein amerikanisches Protektorat bleiben, dessen alliierte Staaten an Vasallen und Tributpflichtige von einst erinnern. Dies ist kein gesunder Zustand, weder für Amerika noch für die europäischen Nationen. Das Ganze wird dadurch verschlimmert, dass in Europa ein Nachlassen innerer Vitalität bedenklich um sich greift. Neben der Legitimität des bestehenden sozioökonomischen Systems scheint sogar das oberflächliche Bewusstsein europäischer Identität verwundbar zu sein. In mehreren europäischen Staaten lässt sich eine Vertrauenskrise und ein Verlust Kreativen Schwungs feststellen, die mit einer auf die grösseren Probleme in der Welt isolationistisch und eskapistisch reagierenden inneren Einstellung einhergeht.

 

Es ist nicht klar, ob die meisten Europäer überhaupt eine künftige Grossmacht Europa wollen und ob sie bereit sind, das für ihr Zustandekommen Nötige zu tun. Selbst der noch in Resten bestehende, gegenwärtig recht schwache europäische Antiamerikanismus ist merkwürdig zynisch: Die Europäer beklagen die Hegemonie der USA, nehmen deren Schutz aber durchaus in Anspruch.

 

Die politische Dynamik zur europäischen Vereinigung ging einmal von drei wesentlichen Impulsen aus:

 

1. der Erinnerung an die beiden zerstörerischen Weltkriege,
2. dem Wunsch nach wirtschaftlicher Erholung
3. sowie der Unsicherheit infolge der sowjetischen Bedrohung.

 

 

Mitte der neunziger Jahre waren diese Impulse verpufft:

 

Die wirtschaftliche Erholung ist im grossen und ganzen eingetreten; das eigentliche Problem, das Europa in zunehmendem Masse zu schaffen macht, ist ein extrem belastendes Sozialsystem, das die Wirtschaftskraft schwächt, während der leidenschaftliche Widerstand, den einzelne Interessengruppen jedweder Reform entgegensetzen, die politische Aufmerksamkeit Europas nach innen lenkt.
Die sowjetische Bedrohung ist verschwunden, wohingegen das Anliegen einiger Europäer, sich von der amerikanischen Bevormundung zu befreien, nicht in ein unwiderstehliches Verlangen nach kontinentaler Einigung umgesetzt wurde.

 

Der Auftrieb zu einem geeinten Europa geht mehr und mehr von dem riesigen Behördenapparat aus, den die Europäische Gemeinschaft und ihrer Nachfolgerin, die Europäische Union, hervorgebracht hat. Der Gedanke der Einheit erfreut sich bei der Bevölkerung noch immer bemerkenswert breiter Unterstützung, aber er ist eher lau, es fehlt ihm an Begeisterung und Sendungsbewusstsein. Im allgemeinen macht das heutige Westeuropa den Eindruck einer Reihe von gequälten, unzusammenhängenden, bequemen und dennoch sozial unzufriedenen und bekümmerten Gesellschaften, die keine zukunftweisende Vision mehr haben. Die europäische Einigung ist zunehmend ein Prozess, und kein Faktum.

 

Dennoch engagieren sich die politischen Eliten zweier führender europäischer Nationen (Frankreich und Deutschland) weiterhin in ihrer grossen Mehrheit für das Ziel, ein Europa zu gestalten und vertraglich festzulegen, das diesen Namen wirklich verdient. Sie sind die wichtigsten Architekten Europas. Aus ihrer Zusammenarbeit könnte ein seiner Vergangenheit und seiner Möglichkeiten würdiges Europa entstehen. Indes tritt jeder für eine etwas andere Vorstellung und Bauweise ein, und keiner der beiden ist stark genug, sich durchzusetzen.

 

Diese Sachlage sollte die Vereinigten Staaten zu einem entschiedenen Eingreifen veranlassen. Sie erzwingt geradezu ein Engagement Amerikas für Europas Einheit, denn der Einigungsprozess könnte sonst ins Stocken geraten und sich allmählich sogar wieder rückläufig entwickeln. Ehe sich die USA aber am Bau Europas beteiligen, müssen sie sich darüber im klaren sein, welche Art Europa sie wollen und zu fördern bereit sind — einen gleichberechtigten oder einen Juniorpartner -‚ und wie weit Europäische Union und NATO reichen sollen. Es erfordert zudem einen behutsamen Umgang mit den beiden wichtigsten Architekten Europas.

Grandeur und Erlösung

 

Frankreich erhofft sich durch Europa seine Wiedergeburt, Deutschland seine Erlösung. Diese unterschiedlichen Motivationen helfen ein gutes Stück weiter, die Ziele der alternativen deutschen und französischen Europa-Entwürfe zu erklären und zu bestimmen.

 

Für Frankreich ist Europa das Mittel, seine einstige Grösse wiederzuerlangen. Schon vor dem Zweiten Weltkrieg machten sich ernst zu nehmende französische Politikwissenschaftler Sorgen über den fortschreitenden Verfall der zentralen Rolle Europas in der Weltpolitik. In den Jahrzehnten des Kalten Krieges schlug diese Sorge in Groll über die angelsächsische Dominanz über den Westen um, ganz zu schweigen von der Verachtung für die damit einhergehende Amerikanisierung der westlichen Kultur.

 

Die Schaffung eines authentischen Europa — mit den Worten Charles de Gaulles vom Atlantik bis zum Ural — sollte diesen beklagenswerten Zustand beheben. Und da in einem solchen Europa Paris die Führung übernehmen müsste, würde Frankreich zugleich jene grandeur zurückgewinnen, die die Franzosen immer noch für das besondere Los ihrer Nation halten.

 

Deutschland sieht im Engagement für Europa die Grunde für nationale Erlösung, während es sicherheitspolitisch auf eine enge Bindung an Amerika nicht verzichten kann. Folglich ist ein Europa, das seine Unabhängigkeit von Amerika stärker hervorkehrt, keine brauchbare Alternative. Für Deutschland bedeutet Erlösung + Sicherheit = Europa + Amerika. Diese Formel umreisst seine Haltung und Politik, macht es zugleich zu Europas Musterknaben und zum stärkeren Anhänger Amerikas in Europa.

 

Deutschland versteht sein glühendes Eintreten für Europa als historische Reinigung, als Wiederherstellung seiner moralischen und politischen Reputation. Indem es sich mit Europa entsühnt, stellt Deutschland seine Grösse wieder her, während es zugleich eine Mission übernimmt, die nicht automatisch europäische Ressentiments und Ängste gegen die Deutschen mobilisiert. Verfolgen die Deutschen nämlich ihr eigenes nationales Interesse, so laufen sie Gefahr, die anderen Europäer vor den Kopf zu stossen; fördern sie jedoch das gemeinsame Interesse Europas, trägt ihnen das die Unterstützung und den Respekt der anderen Europäer ein.

 

In den zentralen Fragen des Kalten Krieges war Frankreich ein loyaler, engagierter und entschlossener Verbündeter. Es stand, wenn es darauf ankam, Seite an Seite mit Amerika. Ob während der beiden Berlin-Blockaden oder während der Kuba-Krise, es gab keinen Zweifel an Frankreichs Festigkeit. Diese Unterstützung der NATO wurde jedoch durch das gleichzeitige Bestreben Frankreichs gedämpft, eine politische Identität eigener Art zu behaupten und sich im wesentlichen seine Handlungsfreiheit zu bewahren, insbesondere in Belangen, die mit Frankreichs Status in der Welt oder der Zukunft Europas zu tun hatten.

 

Es hat etwas wahnhaft Obsessives, wie stark die französische Politelite der Gedanke beschäftigt, dass Frankreich immer noch eine Weltmacht ist. Als Premierminister Alain Juppé im Mai 1995 vor der Nationalversammlung erklärte, dass «Frankreich seinen Ruf als Weltmacht behaupten kann und muss» (womit er nichts anderes sagte als seine Vorgänger), brach die Versammlung in spontanen Beifall aus. Mit seinem Beharren auf einer eigenen atomaren Abschreckung wollte Frankreich vor allem seine Handlungsfreiheit vergrössern und gleichzeitig Entscheidungen auf Leben und Tod, die die Amerikaner in Sicherheitsfragen für die Allianz insgesamt trafen, beeinflussen können.

 

Sich gegenüber der Sowjetunion zu profilieren lag Frankreich fern, denn seine atomare Abschreckung war für die sowjetische Kriegsmaschinerie allenfalls von marginaler Bedeutung. Vielmehr meinte Paris, durch eigene Atomwaffen eine Rolle in den hochrangigsten und gefährlichsten Entscheidungs-findungsprozessen des Kalten Krieges einnehmen zu können. Nach französischer Überzeugung untermauerte der Besitz von Nuklearwaffen Frankreichs Anspruch, eine Weltmacht zu sein und eine Stimme zu haben, die weltweit Respekt geniesst. Tatsächlich stärkte er Frankreichs Position als eines der fünf Veto-berechtigten Mitglieder im UN-Sicherheitsrat, die ebenfalls Atommächte sind. Aus französischer Perspektive war die nukleare Abschreckung Grossbritanniens nur der verlängerte Arm der amerikanischen Atommacht, vor allem da sich die Briten auf ihr besonderes Verhältnis zu den USA festlegten und sich bei den Bemühungen, ein unabhängiges Europa zu bauen, entsprechend zurückhielten. (Dass das französische Atomprogramm von heimlicher US-Hilfe deutlich profitierte, war in den Augen der Franzosen für das strategische Kalkül der grande nation ohne Belang.) Eine eigene atomare Abschreckung festigte nach französischem Verständnis auch Frankreichs beherrschende Position als führende Macht auf dem europäischen Kontinent, die als einziger kontinentaleuropäischer Staat über Atomwaffen verfügt.

 

Einen weiteren Ausdruck fanden Frankreichs globale Ambitionen in den entschiedenen Anstrengungen der französischen Regierungen, in den meisten französischsprachigen Ländern Afrikas weiterhin als Sicherheitsmacht präsent zu sein. Trotz des nach langwierigen Kämpfen eingetretenen Verlusts von Vietnam und Algerien und der Preisgabe weiterer Kolonien hat diese Sicherheitsmission sowie die fortbestehende Kontrolle über verstreute Inseln im Pazifik (auf denen die umstrittenen französischen Atomtests stattfanden) die französische Elite in ihrer Überzeugung bestärkt, dass Frankreich eigentlich immer noch eine globale Rolle zu spielen habe, obwohl es im Grunde eine postimperiale europäische Macht mittlerer Ordnung ist. All dies hat Frankreichs Anspruch auf die Insignien europäischer Führung aufrechterhalten und motiviert.

 

Angesichts eines Grossbritanniens, das sich selbst an den Rand manövrierte und im wesentlichen ein Anhängsel der US-Macht ist, und eines Deutschlands, das während des Kalten Krieges lange Zeit geteilt und durch seine jüngere Vergangenheit noch immer gehandikapt war, konnte Frankreich die europäische Idee aufgreifen, sich zu eigen machen und sie als gleichbedeutend mit seiner Vorstellung von sich selbst usurpieren. Das Land, das die Idee eines souveränen Nationalstaats erfunden und Nationalgefühl zu einer Art weltlichen Religion gemacht hatte, fand es somit ganz natürlich, sich selbst — mit derselben emotionalen Hingabe, die einst la patrie galt — als die Verkörperung eines unabhängigen, aber geeinten Europa zu sehen. Die Grösse eines von Paris geführten Europas fiele dann auf Frankreich selbst zurück. Diese aus einem tiefen Bewusstsein historischer Bestimmung gespeiste und von einem ungemeinen Stolz auf die eigene Kultur bekräftigte besondere Berufung hat bedeutende politische Implikationen.

 

Der geopolitische Raum, den Frankreich seiner Einflusssphäre vorbehalten — oder dessen Beherrschung durch einen mächtigeren Staat es zumindest verhindern — muss, lässt sich auf der Landkarte als Halbkreis einzeichnen. Er umfasst die Iberische Halbinsel, die nördlichen Küsten des westlichen Mittelmeers sowie Deutschland bis hin zum östlichen Mitteleuropa. Das ist nicht nur der kleinste französische Sicherheitsradius, ihm gilt auch das grösste politische Interesse Frankreichs.

 

Nur wenn die Unterstützung der südeuropäischen Staaten gewährleistet und die Rückendeckung durch Deutschland garantiert ist, kann das Ziel, die Schaffung eines vereinigten und unabhängigen, von Frankreich geführten Europas, wirksam verfolgt werden. Und es liegt auf der Hand, dass innerhalb dieses geopolitischen Orbits der Umgang mit einem zunehmend mächtiger werdenden Deutschland am schwierigsten sein wird.

 

Nach französischer Vorstellung kann das zentrale Ziel eines geeinten und unabhängigen Europa dadurch erreicht werden, dass die Vereinigung Europas unter französischer Führung mit dem allmählichen Abbau der amerikanischen Vorrangstellung auf dem Kontinent einhergeht. Wenn jedoch Frankreich Europas Zukunft gestalten soll, muss es Deutschland mit einbeziehen, zugleich aber an die Kette legen, während es Washington seine politische Führungsrolle in europäischen Angelegenheiten Schritt für Schritt abzunehmen sucht.

 

 

Daraus ergeben sich für Frankreich zwei grosse Dilemmas: Wie lässt sich ein amerikanisches Sicherheitsengagement für Europa bewahren — das Frankreich weiterhin für unverzichtbar hält — und dabei die amerikanische Präsenz ständig reduzieren; wie lässt sich die deutsch-französische Partnerschaft als ökonomisch-politischer Motor der europäischen Einigung erhalten und dabei eine deutsche Führung in Europa verhindern?

 

Wäre Frankreich eine wirkliche Weltmacht, so dürfte die Lösung dieser Zwiespalte in der Verfolgung seines zentralen Ziels nicht schwerfallen. Mit Ausnahme Deutschlands ist kein anderer europäischer Staat von einem solchen Ehrgeiz beseelt oder von einem solchen Sendungsbewusstsein getrieben. Selbst Deutschland liesse sich vielleicht dazu verleiten, eine französische Führungsrolle in einem vereinten, aber (von Amerika) unabhängigen Europa zu akzeptieren, doch nur, wenn es in Frankreich tatsächlich eine Weltmacht sähe, die Europa die Sicherheit verschaffen könnte, die es selbst nicht gewährleisten kann, wohl aber die USA. Deutschland kennt indessen die wahren Grenzen französischer Macht.

 

Frankreich ist wirtschaftlich viel schwächer als Deutschland, und sein Militärapparat (wie der Golfkrieg 1991 gezeigt hat) nicht sehr leistungsfähig. Er reicht gerade aus, um Staatsstreiche in afrikanischen Satellitenstaaten niederzuschlagen, doch kann er weder Europa schützen noch fern von Europa nachhaltigen Einfluss ausüben. Frankreich ist nicht mehr und nicht weniger als eine europäische Macht mittleren Kalibers.

 

Für die Schaffung eines gemeinsamen Europas war daher Deutschland bereit, Frankreichs Stolz versöhnlich zu stimmen, in der Frage der Sicherheit Europas war es hingegen nicht bereit, der Führung Frankreichs blindlings zu folgen. Es besteht weiterhin darauf, dass Amerika für Europas Sicherheit unverzichtbar sei. Dieser für die hohe Selbsteinschätzung der Franzosen schmerzliche Tatbestand trat nach der deutschen Wiedervereinigung deutlicher zutage.

 

Zuvor erweckte die deutsch-französische Versöhnung den Eindruck, als fahre die politische Führung Frankreichs ganz gut mit der deutschen Wirtschaftsdynamik. Dieser Eindruck wurde auch tatsächlich beiden Parteien gerecht. Der deutsch-französische Gleichklang milderte die traditionellen europäischen Ängste vor Deutschland und bestärkte die Franzosen in ihren Illusionen, weil der Eindruck entstand, die Gestaltung Europas finde unter der Führung Frankreichs und der Mitwirkung eines wirtschaftlich dynamischen Westdeutschlands statt.

 

Die deutsch-französische Versöhnung war, trotz ihrer Missverständnisse, eine positive Entwicklung für Europa, und ihre Bedeutung kann gar nicht hoch genug bewertet werden. Sie hat sich als eine entscheidende Grundlage für alle in dem schwierigen Prozess der Einigung bisher erzielten Fortschritte erwiesen. Insofern entsprach sie auch voll und ganz den Interessen der USA und stand im Einklang mit dem langjährigen Engagement der Amerikaner, eine transnationale Zusammenarbeit in Europa voranzubringen.

 

Ein Scheitern der deutsch-französischen Kooperation wäre ein fataler Rückschlag für Europa und ein Desaster für die Position der Vereinigten Staaten in Europa. Stillschweigende Unterstützung vonseiten der USA ermöglichte es Frankreich und Deutschland, den Prozess der europäischen Einigung voranzutreiben. Die deutsche Wiedervereinigung war für Frankreich ein zusätzlicher Ansporn, Deutschland in ein verbindliches Rahmenwerk einzugliedern.

 

So legten sich am 6. Dezember 1990 der französische Präsident und der deutsche Kanzler auf das Ziel eines föderalen Europa (Europa der Bundesstaaten) fest, und zehn Tage später erteilte der EU-Gipfel über die politische Union in Rom — ungeachtet britischer Vorbehalte — den zwölf Aussenministern der europäischen Gemeinschaft den Auftrag, einen Vertragsentwurf für eine politische Union vorzubereiten. Darüber hinaus veränderte Deutschlands Wiedervereinigung die tatsächlichen Parameter europäischer Politik erheblich. Für Russland wie für Frankreich bedeutete sie eine geopolitische Niederlage.

 

Das vereinte Deutschland war nun nicht nur mehr der politische Juniorpartner Frankreichs, es wurde automatisch die unbestreitbar erste Macht in Westeuropa und — vor allem wegen seiner beträchtlichen Beitragszahlungen zur Unterstützung der wichtigsten internationalen Institutionen sogar teilweise eine Weltmacht. Die neue Realität bewirkte auf beiden Seiten eine gewisse Ernüchterung, denn Deutschland war jetzt, immer noch als Frankreichs Partner, aber nicht mehr als dessen Protegé, in der Lage und Willens, seine Vision eines zukünftigen Europas zu artikulieren und voranzutreiben.

 

Da Frankreich nunmehr weniger politische Druckmittel in der Hand hatte, sah es sich zu verschiedenen Konsequenzen gezwungen. In irgendeiner Form musste es grösseren Einfluss innerhalb der NATO gewinnen — von der es sich aus Protest ausserdem seine relative Schwäche mit grösseren diplomatischen Manövern kompensieren. Eine Rückkehr in die NATO könnte Frankreich mehr Einflussmöglichkeiten auf Amerika einräumen, gelegentliche Flirts mit Moskau oder London könnten sowohl auf Amerika als auch auf Deutschland von aussen Druck erzeugen. Infolgedessen kehrte Frankreich, eher aus taktischen Gründen als aus Überzeugung, in die Kommandostruktur der NATO zurück. De facto beteiligte es sich bereits 1994 wieder aktiv an den politischen und militärischen Entscheidungsprozessen der NATO; seit Ende 1995 sind der französische Aussen- und der Verteidigungsminister regelmäddig bei den Sitzungen des Verteidigungsbündnisses anwesend. Allerdings zu einem entsprechenden Preis: Nachdem sie erst einmal voll integriert waren, bekräftigten sie erneut ihre Entschlossenheit, die Struktur des Bündnisses zu reformieren, um auf mehr Gleichgewicht zwischen der amerikanischen Führung und den europäischen Teilnehmern hinzuwirken.

 

Die Franzosen wünschten ein ausgeprägteres Profil und eine grösssere Rolle für eine kollektive europäische Komponente, wie der französische Aussenminister Hervé de Charette in einer Rede vom 8. April 1996 darlegte: «Für Frankreich besteht das grundlegende Ziel [der Annäherung] darin, eine europäische Identität innerhalb des Bündnisses geltend zu machen, die operationell glaubwürdig und politisch sichtbar ist.»

 

Gleichzeitig scheute sich Paris keineswegs, seine traditionell guten Beziehungen zu Russland taktisch auszuschlachten, um die Amerikaner in ihrer Europapolitik unter Druck zu setzen und, wann immer zweckdienlich, die alte französisch-britische Entente wiederzubeleben, um Deutschlands wachsender Vormachtstellung in Europa zu begegnen. Der französische Aussenminister war nahe daran, dies offen auszusprechen, als er im August 1996 erklärte, dass «Frankreich, wenn es eine internationale Rolle spielen will, bereit ist, von der Existenz eines starken Russlands zu profitieren, sowie ihm zu helfen, sich wieder als Grossmacht zu behaupten», und damit den russischen Aussenminister zu der Entgegnung veranlasste, dass «von allen Regierungschefs der Welt die Franzosen diejenigen sind, die in ihrem Verhältnis zu Russland noch am ehesten eine konstruktive Haltung einnehmen».

 

Frankreichs anfänglich lauwarme Unterstützung einer NATO-Osterweiterung — konkret, seine kaum unterdrückte Skepsis, ob sie überhaupt erstrebenswert sei — war somit teilweise eine Taktik, die ihm bei den Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten mehr Druckmittel in die Hand geben sollte. Eben weil Amerika und Deutschland die Hauptbefürworter einer NATO-Erweiterung waren, gefiel sich Frankreich darin, Gelassenheit zu demonstrieren, widerstrebend zuzustimmen, Bedenken über die mögliche Auswirkung dieser Initiative auf Russland vorzutragen und sich als Europas verständnisvollster Gesprächspartner mit Moskau zu gerieren. Bei einigen Mitteleuropäern erweckten die Franzosen sogar den Eindruck, als hätten sie nichts gegen eine russische Einflusssphäre in Osteuropa.

 

Die russische Karte hielt nicht nur Amerika in Schach und sandte eine nicht allzu verblümte Botschaft an die Adresse Deutschlands, sondern verstärkte auch den Druck auf die USA, die französischen Vorschläge für eine Reform der NATO wohlwollend zu betrachten. Letztlich werden einer NATO-Erweiterung alle 16 Mitglieder zustimmen müssen. Paris wusste, dass seine Einwilligung für diese Einstimmigkeit ebenso unabdingbar war wie Frankreichs Unterstützung gebraucht wurde, um Obstruktion von seiten anderer Bündnismitglieder zu vermeiden. So machte es denn auch kein Hehl aus seiner Absicht, die Unterstützung einer NATO-Erweiterung davon abhängig zu machen, ob sich Amerika schliesslich der französischen Entschlossenheit beugt, das Machtgleichgewicht innerhalb der Allianz sowie auch deren Grundstruktur zu verändern.

 

Ähnlich lau war zunächst Frankreichs Befürwortung einer Osterweiterung der Europäischen Union.

 

Hier übernahm Deutschland, unterstützt von den USA, die Führung, allerdings in diesem Fall nicht mit demselben Engagement wie in der Frage der NATO-Erweiterung. Obwohl Frankreich in der NATO gern argumentierte, dass eine erweiterte EU eine passendere Dachorganisation für die früheren kommunistischen Staaten biete, meldete es, als Deutschland auf eine schnellere Erweiterung der EU nach Mitteleuropa hin drang, technische Bedenken an und forderte ausserdem, dass die EU Europas ungeschützter mediterraner Südflanke die gleiche Aufmerksamkeit widme. (Diese Meinungsverschiedenheiten traten bereits bei dem deutsch-französischen Gipfel im November 1994 zutage.) Der Nachdruck, den die Franzosen auf den letzten Punkt legten, sicherte ihnen zudem die Unterstützung südeuropäischer NATO-Mitglieder zu und optimierte Frankreichs Verhandlungsposition insgesamt.

 

Der Preis dafür war indes eine immer grösser werdende Kluft zwischen den von Frankreich beziehungsweise Deutschland vertretenen geopolitischen Vorstellungen Europas, eine Kluft, die sich nur teilweise schloss, als Frankreich in der zweiten Hälfte des Jahres 1996 dem Beitritt Polens zur NATO und der EU mit Verspätung zustimmte. Diese Kluft war angesichts des sich verändernden historischen Umfelds unvermeidlich.

 

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs hatte das demokratische Deutschland erkannt, dass diese deutsch-französische Aussöhnung die Voraussetzung für die Schaffung einer europäischen Gemeinschaft innerhalb den westlichen Hälfte des geteilten Europas war. Diese Versöhnung war nicht zuletzt für Deutschlands historische Rehabilitierung von zentraler Bedeutung. Von daher war die Akzeptanz der französischen Führungsrolle ein angemessener Preis. Gleichzeitig machte die fortdauernde sowjetische Bedrohung eines verwundbaren Westdeutschlands die Loyalität gegenüber Amerika zu einer überlebenswichtigen Voraussetzung — was selbst die Franzosen erkannten.

 

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion war für die Bildung eines grösseren und geeigneteren Europa eine Unterordnung unter Frankreich aber weder notwendig noch von Vorteil. Eine gleichberechtigte deutsch-französische Partnerschaft, in der das wiedervereinigte Deutschland nun tatsächlich der stärkere Partner war, war für Paris mehr als ein faires Geschäft; Frankreich würde Deutschlands Vorliebe für eine direkte Sicherheitsschiene zu seinem transatlantischen Verbündeten und Beschützer einfach hinnehmen müssen.

 

Mit dem Ende des Kalten Kriegs bekam das Verhältnis zu den USA für Deutschland eine neue Bedeutung. In der Vergangenheit hatte es Deutschland vor einer äusseren, aber sehr unmittelbaren Bedrohung geschützt und war die notwendige Voraussetzung für die schliesslich eingetretene Wiedervereinigung des Landes gewesen. Nach der Auflösung der Sowjetunion bot die Verbindung zu Amerika dem wiedervereinigten Deutschland den Schirm, unter welchem es offener eine Führungsrolle in Mitteleuropa übernehmen konnte, ohne dadurch gleichzeitig seine Nachbarn zu bedrohen.

 

Die Beziehung zu den USA stellte mehr als ein Zeugnis für gutes Benehmen aus: Sie versicherte den deutschen Nachbarn, dass ein enges Verhältnis zu Deutschland auch ein engeres Verhältnis zu Amerika bedeutete. All das erleichterte es Deutschland, eigenen geopolitischen Prioritäten unumwunden offenzulegen.

 

 

Deutschland braucht keine Hemmungen mehr zu haben, sich im Bereich seines besonderen Interesses zu behaupten

 

Deutschland — fest in Europa verankert und harmlos, aber durch die sichtbare militärische Präsenz der Amerikaner sicherer geworden — konnte nun die Integration des jüngst befreiten Mitteleuropas in europäische Strukturen vorantreiben. Es würde nicht mehr das alte Mitteleuropa des deutschen Imperialismus sein, sondern eine friedliebende Gemeinschaft wirtschaftlicher Erneuerung, die durch deutsche Investitionen und Handelsbeziehungen angespornt und von einem Deutschland ermuntert wird, das ausserdem als Befürworter der schliesslich auch offiziellen Einbindung des neuen Mitteleuropa in EU und NATO auftritt.

 

Da die deutsch- französische Allianz für Deutschland die unverzichtbare Plattform darstellt, um eine entschiedenere Rolle in der Region zu spielen, braucht es keine Hemmungen mehr zu haben, sich im Bereich seines besonderen Interesses zu behaupten. Auf der Europa-Karte könnte die Zone, die für Deutschland von besonderem Interesse ist, in der Form eines Rechtecks eingezeichnet werden, das im Westen natürlich Frankreich einschliesst und im Osten die erst vor kurzem in die Freiheit entlassenen postkommunistischen Staaten Mitteleuropas einschliesslich der baltischen Republiken, Weissrusslands und der Ukraine umfasst, und sogar bis nach Russland hineinreicht.

 

In vielerlei Hinsicht entspricht dieses Gebiet dem historischen Einflussbereich konstruktiver deutscher Kultur, den in pränationalistischer Zeit deutsche Städtegrün der und bäuerliche Siedler im östlichen Mitteleuropa und in den heutigen baltischen Republiken geformt hatten, die sämtlich im Verlauf des Zweiten Weltkriegs vertrieben wurden. Wichtiger noch, die Bereiche, die für die Franzosen (wie oben erörtert) und die Deutschen von besonderem Belang sind, entsprechen, wenn man sie wie auf der folgenden Karte gemeinsam betrachtet, den westlichen und östlichen Grenzen Europas, während die Überschneidungen zwischen beiden die entscheidende geopolitische Bedeutung der deutschfranzösischen Beziehungen als unverzichtbaren Kern Europas unterstreichen.

 

Der entscheidende Durchbruch für ein selbstbewussteres Auftreten Deutschlands in Mitteleuropa wurde durch die während der neunziger zustande gekommene deutsch-polnische Versöhnung erzielt.

 

Trotz eines gewissen anfänglichen Widerstrebens erkannte das wiedervereinigte Deutschland (gedrängt von den USA) die Oder-Neisse-Linie als endgültige Grenze zu Polen an, und dieser Schritt beseitigte den einzigen substantiellen Vorbehalt Polens gegen engere Beziehungen zum deutschen Nachbarn. Nach einigen weiteren Gesten des guten Willens und der Vergebung auf beiden Seiten wandelte sich das Verhältnis durchschlagend.

 

Der deutsch-polnische Handel explodierte förmlich (1995 überflügelte Polen Russland als Deutschlands grössten Handelspartner im Osten), Deutschland trat am entschiedensten für eine Mitgliedschaft Polens in der EU und (zusammen mit den Vereinigten Staaten) für seine Aufnahme in die NATO ein.

 

Ohne Übertreibung kann man behaupten, dass spätestens Mitte des Jahrzehnts die deutschpolnische Versöhnung eine geopolitische Bedeutung in Mitteleuropa gewonnen hat, die den früheren Auswirkungen der deutschfranzösischen Versöhnung auf Westeuropa durchaus entspricht. Dank Polen konnte der deutsche Einfluss nach Norden — in baltischen Staaten — sowie nach Osten — bis in die Ukraine und Weissrussland — ausstrahlen.

 

Der Geltungsbereich der deutsch-polnischen Aussöhnung wurde überdies dadurch etwas erweitert, dass man Polen bei wichtigen deutsch-französischen Gesprächen über die Zukunft Europas mit einbezog. Das sogenannte Weimarer Dreieck (nach der Stadt benannt, der die ersten hochrangigen trilateralen deutsch-französisch-polnischen Konsultationen stattfanden, die seither regelmässig wiederholt werden) schuf eine möglicherweise bedeutsame geopolitische Achse auf dem europäischen Kontinent, die etwa 180 Millionen Menschen aus drei Nationen mit einem hochentwickelten Nationalbewusstsein umfasst.

 

Auf der einen Seite stärkte diese Deutschlands dominierende Rolle in Mitteleuropa noch weiter, die andererseits durch die Teilnahme Frankreichs und Polens an dem dreiseitigen Dialog wiederum etwas ausbalanciert wurde. Das unverkennbare deutsche Engagement für eine Osterweiterung der wichtigsten europäischen Institutionen hat die Akzeptanz einer deutschen Führung in Mitteleuropa — die bei den kleineren mitteleuropäischen Staaten noch stärker vorhanden ist — erleichtert.

 

Mit seinem entschiedenen Einsatz übernahm Deutschland eine historische Mission, die von einigen recht tief verwurzelten westeuropäischen Auffassungen erheblich abweicht, denen zufolge alles, was östlich von Deutschland und Österreich passiert, als für das eigentliche Europa ohne Belang erschien.

 

Diese Meinung — im frühen 18. Jahrhundert von Lord Bolingbroke geäussert, der erklärte, politische Gewalt im Osten sei für die Westeuropäer ohne Bedeutung — tauchte im Münchner Abkommen 1938 wieder auf; eine traurige Neuauflage erlebte sie in der Haltung der britischen und französischen Regierung während des Bosnien-Konflikts Mitte der neunziger Jahre und ist unter der Oberfläche der laufenden Debatten über die Zukunft Europas immer noch virulent. Im Unterschied dazu ging es in der deutschen Diskussion eigentlich nur darum, ob zuerst die NATO oder die EU erweitert werden sollte — der Verteidigungsminister bevorzugte ersteres, der Aussenminister sprach sich für letzteres aus — mit dem Ergebnis, dass Deutschland der unbestrittene Apostel eines grösseren und geeinteren Europas wurde.

 

Der deutsche Kanzler sprach vom Jahr 2000 als dem Zieldatum der ersten EU-Osterweiterung, und der deutsche Verteidigungsminister gehörte zu den ersten, die den fünfzigsten Jahrestag der NATO-Gründung als das passende symbolische Datum für eine Ausdehnung des Bündnisses nach Osten vorschlug. Deutschlands Konzeption einer Zukunft Europas unterschied sich somit von der seiner wichtigsten europäischen die Briten sprachen sich für ein grösseres Europa aus, weil sie in einer Erweiterung ein Mittel sahen, Euro- Einheit zu verwässern; die Franzosen befürchteten, dass solche Erweiterung Deutschlands Rolle stärken würde, plädierten daher für eine begrenztere Integration.

 

Deutschland machte sich für beides stark und erlangte dadurch in Mitteleuropa ein ganz eigenes Ansehen.


Комментировать \ Comments


Новости Донбасса (ДНР и ЛНР)

новость

Ясиноватский пост и т.н. «Авдеевская промзона»подвергается обстрелу со стороны украинских боевиков. Об этом пишут бойцы Донецкой Народной Республики в сети. «С направления Водяного-Опытного укронацисты ведут обстрел из минометов с двух позиций по району Аэропорта», —

Видео

  Авторская съемка военкора команды News Front Александра Киевского.   ВСУ за минувшие сутки четыре раза обстреляли позиции Народной милиции ЛНР. Об этом сообщили в оборонном ведомстве республики.   С направления села Новоалександровка из 120-мм

новость

Так называемое министерство Украины «по Донбассу» планирует возвращение неподконтрольных Киеву восточных территорий Донбасса в ближайшее время. Об этом рассказал «профильный министр» Вадим Черныш. «Восточные территории Украины мы планируем возвращать в ближайшее время. И если сейчас

Видео

  Съемка военных корреспондентов News Front.   В столице Донецкой Народной Республики городе-герое Донецке состоялось возложение цветов к братской могиле.   Цветы возлагали УНМ ДНР и ОД «Донецкая Республика».   В 1943 году был освобожден

новость

Идею провести акцию в Донецком аэропорту Захарченко не поддержал. Глава Донецкой Народной Республики Александр Захарченко прокомментировал проведенный недавно песенный флешмоб в Донецке.  «Тут надо сказать, что отношение к этим вокальным номерам у нас, в Донецке,

новость

Разведкой ДНР установлена работа диверсионно-разведывательных групп ВСУ в районе н.п. Водяное на юге Республики. Об этом сообщил заместитель командующего оперативным командованием ДНР Эдуард Басурин. «В ходе огневого контакта украинские силовики отступили на исходные позиции, при

новость

Разведка Донецкой Народной Республики продолжает фиксировать усиление позиций  ВСУ вблизи линии соприкосновения с ДНР. Об этом сообщил заместитель командующего оперативным командованием ДНР Эдуард Басурин. «В районе населенных пунктов: Донское (24 км от линии соприкосновения) выявлено

новость

В ходе ночных обстрелов украинской армией территории Донецкой Народной Республики один солдат ДНР получил смертельное ранение. Об этом сообщил заместитель командующего оперативным командованием ДНР Эдуард Басурин. «Результатом снайперского огня стала гибель одного военнослужащего НМ ДНР»,


Международные новости

новость

Он набрал более 88% голосов избирателей. Исполняющий обязанности президента Узбекистана, премьер-министр Шавкат Мирзиеев одержал победу на выборах главы государства, набрав 88,61% голосов, сообщил глава Центризбиркома республики Мирза-Улугбек Абдусаломов. Так, за Мирзиеева отдали свои голоса 15

Видео

  Тысячи оппозиционеров вышли на митинг в Скопье в поддержку кандидата от партии Социал-демократический союз Македонии Зорана Заева.   Заев назвал предстоящие выборы «решением на грани жизни и смерти».   Выборы пройдут в стране 11

новость

Российский президент Владимир Путин пригласил президента Филиппин Родриго Дутерте в Россию. Об этом заявил министр иностранных дел Филиппин Перфекто Ясая. «Я приехал сюда в продолжение тех договоренностей, которые были достигнуты в рамках двусторонней встречи между

Видео

  Адвокат, кандидат географических наук Павел Бубнов из Канады в эфире программы «На самом деле» агентства News Front; ведущий программы — Сергей Веселовский.   «Канадское руководство ввело новые санкции (в том числе против депутатов Госдумы

новость

У Запада нет стратегии по отношению к России, а вместо серьезного анализа в повестке дня закрепляется русофобия, пишет вторая по тиражам газета Дании Politiken. «В  некоторых СМИ любой русофоб может получить место в колонке комментариев,

новость

Минобороны Нагорно-Карабахской Республики (НКР) заявило в понедельник, что режим прекращения огня в Нагорном Карабахе за ночь нарушался 50 раз. «В ночь с 4 на 5 декабря на карабахско-азербайджанской линии соприкосновения режим прекращения огня со стороны

новость

Достижение мира между Израилем и арабскими государствами неотделимо от урегулирования палестинского вопроса, заявил в воскресенье госсекретарь США Джон Керри.   «Никакого сепаратного мира между Израилем и арабскими странами без урегулирования палестинского вопроса не будет. Все

новость

Австрийский канцлер Кристиан Керн поздравил с победой на президентских выборах независимого кандидата Александра ван дер Беллена.   Керн сказал, что в этот день никто не должен быть проигравшим. Он поздравил всех избирателей.   «Мы все


Важно

Видео

  Авторская съемка военкора команды News Front Александра Киевского.   ВСУ за минувшие сутки четыре раза обстреляли позиции Народной милиции ЛНР. Об этом сообщили в оборонном ведомстве республики.   С направления села Новоалександровка из 120-мм

важно

Еще двое медработников получили ранения, сообщили в Минобороны РФ Российская медсестра погибла после артиллерийского обстрела боевиками госпиталя Минобороны в Алеппо. Еще двое медработников получили ранения. Об этом в понедельник сообщили в Минобороны РФ. «Во время

Видео

  Член политсовета движения «Украинский выбор», президент женского политического клуба, журналист, публицист Елена Маркосян в эфире программы «На самом деле» агентства News Front; ведущий программы — Сергей Веселовский. «Нам уже давно приходится работать в полуосадном

Видео

  Ведущий программы «Правда», одесский политолог, журналист Григорий Кваснюк в эфире программы «На самом деле» агентства News Front; ведущий программы — Сергей Веселовский. «Назвать Украину полноценным государством нельзя. Ни социальным государством, потому что таким отношением

Видео

  Съемка военных корреспондентов News Front.   В столице Донецкой Народной Республики городе-герое Донецке состоялось возложение цветов к братской могиле.   Цветы возлагали УНМ ДНР и ОД «Донецкая Республика».   В 1943 году был освобожден

Видео

  Тысячи оппозиционеров вышли на митинг в Скопье в поддержку кандидата от партии Социал-демократический союз Македонии Зорана Заева.   Заев назвал предстоящие выборы «решением на грани жизни и смерти».   Выборы пройдут в стране 11

Видео

  Видео предоставлено Министерством обороны ДНР специально для агентства News Front   Обстановка в Донецкой Народной Республике остается напряженной.   За прошедшие сутки украинские боевики одна тысяча триста сорок два раза нарушили режим прекращения огня.

Видео

  Журналист Юрий Кот в эфире программы «На самом деле» агентства News Front; ведущий программы — Сергей Веселовский.   «Буквально через несколько часов Владимир Николаевич Олейник в один из районов города Москвы на предварительное судебное

Юрий Кот: Начинается процесс о признании юридического факта госпереворота на Украине


bottom_banner_3
Pomosh
bottom_banner_1