UKRAINE-KRISE: Ich fühle mich ein bisschen so wie die Griechen

Дата публикации: 29 марта 2015, 02:35

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Anstehen für Essen. Die Ukrainer müssen extremen Verteuerungen für Gas, Mieten und Lebensmitteln leben. Ein Ende der Preissteigerungen ist nicht in Sicht.(Foto: dpa)

 

 

In der Ukraine explodieren die Preise: 57 Prozent mehr für Wasser, 73 Prozent mehr für Strom. Die Löhne steigen nicht. Im Gegenteil. Viele suchen sich Zweitjobs, um zu überleben. Sie fürchten Armut und Hunger.

 

Kiew. Maria und Oleg sitzen in der Küche und rechnen.

„Wir werden wohl ohne heißes Wasser auskommen müssen“, sagt Oleg.

 

Im Sommer gehe das ganz gut, sagt das Ehepaar, dessen einzige Tochter bereits aus der Wohnung ausgezogen ist.

 

„Bei uns im Block wird das Warmwasser jeden Sommer abgestellt, dann duschen wir jedes Mal kalt“, sagt Oleg. Doch noch ist Winter in der Ukraine. Und auch der Tarif für kaltes Wasser wird um stolze 57 Prozent steigen. Strom wird um 73 Prozent teurer – auch in Kiew, auch für Maria und Oleg. „Ich fühle mich ein bisschen so wie die Griechen“, sagt Maria.

 

Die Ukrainer zittern vor immer neuen Preisexplosionen. Kaum ein anderes Thema wird dieser Tage so stark diskutiert wie die anstehenden Preiserhöhungen für Wasser und Strom. Ab dem 1. April werden die Tarife dafür um bis zu 75 Prozent steigen.

 

Obwohl es in den vergangenen zwölf Monaten schon zu extremen Verteuerungen für Gas, Mieten und Lebensmitteln kam, wird nun auf Druck der internationalen Geldgeber wie Weltbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) erneut an der Preisschraube gedreht.

 

Nach Berechnungen der größten ukrainischen Tageszeitung „Segodna“ muss ein Zwei-Personenhaushalt ab April 88 Prozent mehr für Wasser, Gas und Strom zahlen, wer bislang 475 Griwna (ca. 20 Euro) zahlt, erhält demnächst eine Rechnung über 900 Griwna (circa 37 Euro). Für eine vierköpfige Familie, die auf den ukrainetypischen 65 Quadratmetern lebt, erhöhen sich die Kosten von umgerechnet 44 Euro auf dann 82 Euro. Das sind „astronomische Summen“, schreibt das Blat.

 

Denn in der Ukraine liegt das Durchschnittseinkommen bei gerade einmal 250 Euro. Das Land befindet sich immer noch in einer schweren Wirtschaftskrise. Das Bruttoinlandsprodukt verzeichnete 2014 ein Minus von 7,8 Prozent, für dieses Jahr prognostizieren Experten minus drei Prozent. Maria und Oleg griechische fürchten deshalb griechische Verhältnisse.

 

Wie jetzt in der Ukraine seien auch dort ebenfalls Vertreter der Weltbank und des IWF aufgekreuzt und hätten die Regierung „erpresst“, die Verbraucherpreise zu erhöhen, ohne dabei jedoch die lahmende Wirtschaft anzukurbeln, sagt Oleg. „Wir sollen immer mehr zahlen, aber die Löhne steigen nicht, im Gegenteil.“

 

Er hat mittlerweile zwei Jobs. Unter der Woche ist er Busfahrer bei den Kiewer Verkehrsbetrieben, am Wochenende verdient er sich ein paar Griwna als Taxifahrer dazu. Nun sucht auch Maria nach einem weiteren Job. Sie arbeitet im Büro einer Lohnabrechnungsfirma. Das Geld aus dem Nebenverdienst gehe voll und ganz für die Gas-, Wasser- und Stromabgaben drauf.

 

Autor: Nina Jeglinski

Quelle: Handelsblatt

 


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